Michael Zeller

Noch ein Glas mit Pan Tadeusz

Krakauer Geschichten
Cover: Noch ein Glas mit Pan Tadeusz
Ars vivendi Verlag, Cadolzburg 2000
ISBN 9783897162105
Gebunden, 173 Seiten, 17,38 EUR

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.12.2000

Die ehemalige Königsstadt Krakau, mit ihren prunkvollen Häusern und Kirchen, der das kommunistische Regime seinen "vulgären Stempel" aufdrückte, wie Rezensentin Marta Kijowska sich ausdrückt, ist Gegenstand zweier Bücher, die aus unterschiedlicher Perspektive sich der Stadt erinnern oder sie beschreiben.
1) Adam Zagajewski: "Ich schwebe über Krakau"
Zagajewski ist zwar kein gebürtiger Krakauer, weiß Kijowska , aber feierte dort in den 70er Jahren seine ersten literarischen Erfolge als Mitglied der systemkritischen Gruppe "Teraz" (Jetzt). Längst lebt der Dichter in Paris und Amerika. Wie sehr ihm Krakau nach wie vor als Inspirationsquelle dient, lässt sich für Kijowska in diesen Erinnerungen an die Stadt seiner Jugend nachlesen: poetische Impressionen, die der Topografie und Architektur der Stadt Rechnung tragen würden, vor allem aber, behauptet die Rezensentin, eine Rekonstruktion des geistigen Klimas leisteten, in dem Zagajewski zum Dichter und Intellektuellen heranreifte. Zwar spare Zagajewski nicht mit Spott über das "rückständige Provinznest" oder das Krakauer Bildungsbürgertum, das sich aus Abneigung gegen die Sowjetisierung in den "grotesken Abglanz der k.u.k.-Epoche" zu retten versuchte; gleichzeitig machten aber Zagajewskis Porträts zeitgenössischer Intellektueller und Gelehrter (der Papst ist auch dabei!), seine eingestreuten Bemerkungen über Ästhetik auf schöne Weise klar, dass Krakau "eine gute Schule" gewesen sein muss.
2) Michael Zeller: "Noch ein Glas mit Pan Tadeusz"
Auf den literarischen Spuren Alfred Döblins sieht Marta Kijowska den in Wuppertal lebenden Michael Zeller wandeln, der Anfang der 90er Jahre für ein Buchprojekt das erste Mal nach Krakau gekommen war und seither oft dorthin zurückgekehrt ist. Kijowska hält ihn für einen ausgezeichneten Beobachter, der mit Einfühlung darauf aus ist, das Besondere der polnischen Kultur und Geschichte herauszubekommen und zu vermitteln. Ein Fremder, der sich neugierig auf alles stürzt: etwa stundenlange Kirchenfestivitäten über sich ergehen lässt, staunt Kijowksa. Neben der lustvollen Beobachtung des Alltagsgeschehens unternimmt Zeller laut Rezensentin auch Abschweifungen in die Geschichte und Literatur des Landes und trifft dabei den Stil, den sie bereits bei Döblins "Reise in Polen" vorgefunden hat, bloß neugieriger und weniger distanziert.
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