Jakob Hein

Herr Jensen steigt aus

Roman
Cover: Herr Jensen steigt aus
Piper Verlag, München 2006
ISBN 9783492048576
Gebunden, 144 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Sie sind komisch. Sie sind tragisch. Wir erkennen uns in ihnen wieder und betrachten fortan das Alltägliche mit anderen Augen: Von Gregor Samsa bis Garp bevölkern Sonderlinge die Literatur. Herr Jensen ist einer von ihnen. Herr Jensen arbeitet bei der Post. Sorgfältig, beinahe liebevoll, pflegt er seine Zustellungen in die Schlitze der Briefkästen zu schieben. Arbeitet Herr Jensen nicht, denkt er über geheime Jagdgründe für Frauen nach oder über die Schwerkraft. Für ihn hätte es immer so weitergehen können. Eines Tages allerdings wird Herr Jensen freigestellt, um Freistellungen vermeiden zu können, wie man ihm erklärt. Bald darauf stellt er fest, dass man einen Wecker, der nicht mehr wecken muss, eigentlich Uhr nennen sollte...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.02.2007

Jutta Person findet den Roman über den Briefträger Herrn Jensen, der sich frau- und freundlos dem Nichtstun verschreibt und dabei langsam irre wird, enttäuschend. Der Hauptfigur fehlt es einfach an "Charisma", um zum Helden der Arbeitslosigkeit aufzusteigen und in seiner Simplizität liegt leider auch nicht genug Tiefgang, um zu überzeugen, bedauert sie. Einzig, wie der Autor die zunehmende Verrücktheit Jensens inszeniert, nimmt die Rezensentin für das Buch ein. Hier verzichtet Hein auf bewährte Erzählmuster und schildert sehr beklemmend die sich vertiefende Paranoia seiner Hauptfigur, lobt Person.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2006

Ganz hübsch, aber irgendwie doch "literarische Schmalkost" ist dieser Roman aus Sicht von Rezensent Wolfgang Schneider. Jakob Heins "pflegeleichter Humor" garantiere leichte Verdaulichkeit und der "Zug ins Parabelhafte" gar noch eine Art moralischen Mehrwert. Auch ist das Buch über einen klassischen Sozialverlierer unserer Tage sozusagen "mitten hinein ins heutige Sinnvakuum" erzählt. Doch schon vom Titel her strahlt der Roman für Schneider eigentlich eher etwas Altmodisches aus, und Heins Held Jensen sei auch gar nicht ausgestiegen, sondern eher aus dem System gefallen. Antriebslos verbringt er seine Tage vor dem Fernseher und wird immer merkwürdiger, bis er schließlich in der Psychiatrie landet. Heins Versuch, die deutsche Literaturtradition der Beschreibung eines "Sonderlings" fortzusetzen, hält Schneider für gescheitert. Herr Jensen weckt keinerlei Sympathien bei ihm. Er scheint dem Rezensenten nur Sprachrohr für einen Autor zu sein, der wohlfeile Gesellschaftskritik üben möchte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.05.2006

Für Rezensentin Heike Kunert ist der Roman um den arbeitslosen Postboten Herrn Jensen eine "Allerweltsgeschichte", die allerdings grandios dargeboten werde, wie sie in ihrer kurzen Kritik schwärmt. Der Tag des Arbeitslosen ist unendlich ereignislos, und Herr Jensen kann seinem neuen Alltag erst dann etwas abgewinnen, als er das Nichtstun zu seiner "Philosophie" und "Berufung" macht, erklärt die Rezensentin, die in dieser Figur einen "tragischen Helden unserer Zeit" gezeichnet sieht. Als schlicht, aktuell und wahrhaftig preist die Rezensentin diesen Roman, und dass er dabei auch noch komisch ist, gefällt ihr besonders.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.05.2006

Ulrich Rüdenauer hat nach eigenen Angaben unter der Lektüre des Romans "Herr Jensen steigt aus" von Jakob Hein gelitten. An der Geschichte um einen Briefträger, der seine Arbeit verliert und sich fürderhin aus Überzeugung dem Nichtstun hingibt, stören ihn die plakative "Unaufgeregtheit" und betonte "Kunstlosigkeit". Überhaupt kommt ihm das ganze Buch vor wie eine "Kindergeschichte für Erwachsene". Der "trockene Witz" des Autors geht ihm auf die Nerven, die Figur des Herrn Jensen ist ihm zu inkonsequent und eindimensional. Zu wenig scharf für eine "Satire", zu wenig "Atmosphäre und Dringlichkeit" für einen "Zeitroman", bleibt der Roman ein "Lehrstück", das nicht überzeugt, resümiert Rüdenauer unzufrieden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.02.2006

Rezensent Jörg Magenau schwärmt. Seiner Meinung nach ist das Buch ein großer Entwicklungsschritt für den Autor Jakob Hein, es sei im Unterschied zu seinen eher autobiografischen Vorgänger-Büchern "ganz und gar literarisch". Stilistisch ist es in Magenaus Augen stimmig: "Das knappe Erzählen ist Kalkül" Auch inhaltlich passt es dem Rezensenten, es ist "heiter wie tiefgründig und ungemein politisch" - und das, ohne laut oder spektakulär daherzukommen. Magenau sieht das Buch als "als erzählerisches Pendant zum Manifest der glücklichen Arbeitslosen".
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