Petra Morsbach

Der Cembalospieler

Roman
Cover: Der Cembalospieler
Piper Verlag, München 2008
ISBN 9783492048385
Gebunden, 281 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Mit fünf Jahren sieht Moritz zum ersten Mal ein Klavier, nach einer Woche schon spielt er, als hätte er niemals etwas anderes getan. Und bald entdeckt Moritz das Cembalo, für ihn funkelt es, strahlt, ist reine Poesie. Doch ein Cembalo ist unerreichbar für ein Kind aus schwierigen Verhältnissen. Als er endlich eines bekommt, steht etwas anderes längst fest: Moritz wird erblinden.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.10.2008

Ein wenig dick aufgetragen und überorchestriert findet Rezensentin Kristina Maidt-Zinke den Plot dieses Romans über einen erblindenden, homosexuellen Cembalisten, der auch noch in Venedig spielt. Auch das ganze Wunderkindthema findet sie darin nicht wirklich neu erfunden. Zwar bescheinigt die Rezensentin der Autorin, deren Talent zur literarischen Publikumsfreundlichkeit sie grundsätzlich schätzt, einige Kenntnisse in Musikpraxis und -theorie, hat aber irgendwann doch grundsätzliche Zweifel an der "im Buch waltenden Sachkompetenz". Angesichts überbordender Klischees und üppiger Arabesken fällt es ihr mitunter schwer, die Ernsthaftigkeit des Rezensententons zu wahren. Angesichts der präsentierten Zitate und Handlungsskizzen kann man ihr das allerdings nicht verdenken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Der den Literaturbetrieb unterlaufenden Vorgehensweise der Autorin bringt Hannes Hintermeier Respekt entgegen. Warum Petra Morsbach mit jedem Buch eine andere Lebenswelt erkundet, weiß er auch. Es gehe um das Erkenntnissystem Sprache, das Morsbach stets auf Neue testen wolle. Im Fall dieses Romans geht es in die muffigen 50er in der Bunderepublik und um einen erblindenden homosexuellen Cembalospieler mit Wunderkindqualitäten. Die historische Folie, vor der die Autorin ihren Künstlerroman in Szene setzt - der Entstehungsmythos von Bachs Goldberg-Variationen - erscheint dem Rezensenten allerdings als Wagnis. Einem Thomas Bernhard, so gibt Hintermeier zu verstehen, kann Morsbach mit ihren essayistischen Einschüben und Schilderungen aus dem Künstlermilieu zwar in puncto Geschmeidigkeit nicht ganz das Wasser reichen. Was einen Künstler antreibt jedoch, darüber konnte der Rezensent hier einiges in Erfahrung bringen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.09.2008

Reines Kunstwunder? Fehlanzeige, meint der Rezensent. Was die Autorin hier zelebriert, stellt Andreas Dorschel klar, hat nichts zu tun mit andächtigem Lauschen der Goldberg-Variationen, die allerdings durchaus eine Rolle spielen. Dann nämlich, wenn Petra Morsbach gleichermaßen mit Verstand und Fantasie, wie Dorschel betont, musikalische Geometrie in den Untiefen des Kunstbetriebs erdet. Gut sichtbar wird das Verhältnis von Kunst und Kulturschmock für Dorschel, weil das Schicksal des erblindenden Cembalospielers Moritz dramaturgisch so geschickt wie "schmerzhaft scharf" erzählt wird. Dass die Fantasie der Autorin da hineinspielt, jedoch kein Ressentiment, sorgt beim Rezensenten für Erkenntnisgewinn.
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