Jacques Riviere

Der Deutsche

Erinnerungen und Betrachtungen eines Kriegsgefangenen
Cover: Der Deutsche
Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2014
ISBN 9783940357120
Gebunden, 208 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort von Daniele Raffaele Gambone. Jacques Rivière, eine fast mythische Figur der französischen Kultur, machte unter anderem Marcel Proust berühmt und die "Nouvelle Revue Française" zur bedeutendsten Zeitschrift Frankreichs. Sein Tagebuch aus der Kriegsgefangenschaft in Deutschland von 1914 bis 1917 wurde zur Grundlage seiner nun erstmals auf Deutsch vorliegenden Analyse "L'Allemand": deutsche Typen, deutsches Benehmen, deutsches Denken und deutsche Unheimlichkeiten, gesehen mit den Augen eines ebenso klugen wie emotionalen Beobachters. Seit dem Erscheinen 1918 prägte "L'Allemand" in Frankreich intensiv das Bild vom Menschen jenseits des Rheins. Aber die scharfe, kontrastierende antideutsche Studie zielte keineswegs auf irrationalen Hass, für Rivière gab es nur eine Konsequenz: den notwendigen deutsch-französischen Dialog.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.03.2015

Endlich sind Jacques Rivieres Erinnerungen an seine deutsche Kriegsgefangenschaft auch auf Deutsch erschienen, berichtet Rezensent Jürgen Ritte erfreut. Ergriffen liest der Kritiker hier den Leidensweg des jungen Literaturkritikers, der schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges in Gefangenschaft gerät, in verschiedenen Lagern bis zum Kriegsende eine Vielzahl von Qualen erlebt und schon im Jahre 1918 seine während der Gefangenschaft notierten Erfahrungen veröffentlicht. Ritte zeigt sich insbesondere beeindruckt von Rivieres vorurteilsfreier Betrachtung der Deutschen und seinem Versuch, das deutsche Volk, welches das französische Kollektivgedächtnis laut Riviere seit 1870 beherrscht, zu analysieren. Bisweilen durchaus amüsiert liest der Kritiker Rivieres humoristische Schilderungen, etwa des angeblichen Organisationstalentes der Deutschen. Lobend erwähnt Ritte nicht zuletzt auch Übersetzung und Nachwort von Daniele Raffaele Gambone.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.11.2014

Nach alten französischen Klischees sind die Deutschen plump, aber gutmütig, aber zugleich auf Befehl zu allem fähig. Die Franzosen sind dagegen feinsinnig und kultiviert. So klingt auch in etwa, was Gabriele von Arnim über dieses Buch erzählt, das der Autor im Ersten Weltkrieg in der Kriegsgefangenschaft geschrieben hat und das nun erstmals übersetzt wurde. Voller Furor sei das Buch, der Autor darin aber hellsichtig. Das wichtigste Wort der Deutschen sei "Anstand", schreibt Rivière. Von Arnim erschauert und muss an Herinrich Himmlers Posener Geheimrede über den Judenmord denken, in der eben dieses Wort fiel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2014

Jacques Rivières Blick auf die Deutschen von 1914 ist für Rezensent Helmut Mayer Anlass, einen interessanten Autor kennenzulernen, allerdings mit einem etwas "absonderlichen" Buch, wie der Rezensent eingesteht. Was Rivière hier mit den Erfahrungen seiner eigenen Kriegsgefangenschaft über die deutsche Psyche berichtet, ist laut Mayer nicht frei von Stereotypen. Insgesamt erkennt Mayer bei Rivière allerdings eine deutliche Absetzung zu den üblichen deutsch-französischen Klischees und einen systematischen Zug, der Rivières Konstatierung einer "tiefsitzenden Unbestimmtheit" bei den Deutschen im Gegensatz zu den Franzosen bestimmt. Mit seiner Strenge und Systematik, meint der Rezensent, geht der Autor weit über das Biografische, Allgemeine und Anekdotische hinaus.