Klappentext

68 Minuten. 68 Minuten. Französische Originalfassung, Deutsche voice over. "Eine Autobiografie setzt zumindest eines voraus: dass das Ich weiß, wer es ist. Doch wer ist denn schon mal einem Ich begegnet? Ich jedenfalls nicht." Safaa Fathys Porträt gibt den Lesern Jacques Derridas die Möglichkeit, dem Philosophen anderswo zu begegnen, nicht in der Schrift, sondern in Ton und Bild. Fathy begleitet ihn in seine algerische Heimat, nach Spanien und in sein Pariser Domizil. Der Erfinder der Dekonstruktion spricht über zentrale Gedanken seiner Philosophie, über Gastfreundschaft und die Unmöglichkeit einer Signatur: "Wie etwas anderes äußern als ein genauso leidenschaftliches wie desillusioniertes Interesse für diese Dinge - Sprache, Literatur, Philosophie. Etwas anderes als die Unmöglichkeit, noch einmal zu sagen, wie ich es jetzt tue: Ich - ich zeichne." Das Booklet enthält ein ausführliches Derrida-Interview aus den "Cahiers du cinéma".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.05.2012

Interessant scheint Klaus Englert dieses 1999 produzierte Filmporträt über den französischen Philosophen Jacques Derridas. Er berichtet über Faszination Derridas für die Gespensterhaftigkeit des Kinos, vom Eigenleben der Stimmen und Figuren in den Filmen. Angesichts dessen scheint es Englert etwas "befremdlich" den 2004 verstorbenen jetzt in Safaa Fathys Porträt zu sehen. Der Film der ägyptischen Regisseurin lebt für ihn von Reisen in die Vergangenheit, verschiedenen Schauplätzen unter anderem in Kalifornien, Paris, Algerien und den Reflexionen Derridas. Er hebt hervor, wie Fathy zwischen diesen Ebenen nach und nach Bezüge stellt und mit Brüchen und Schnitten arbeitet. Eine Szene, in der der Philosoph die Spuren in einem Bauwerk, das erst Moschee, dann Synagoge, dann wieder Moschee war, wie einen Text liest, vermittelt für Englert anschaulich, warum für Derrida die Reflexion der Spuren wichtiger ist als die der scheinbar leibhaftigen Gegenwart.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de