Aus dem Russischen von Dorothea Trottenberg. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Thomas Grob. 1913 - das Jahr vor der Weltkriegskatastrophe - fiel in die Zeit boomender russischer Großstädte und der ungelösten Fragen in der russischen Provinz. Russlands Weiten
sind geprägt von Niedergang und diffuser Erwartung. Auf der Höhe seiner Erzählgewalt verfolgt Iwan Bunin sein literarisches Großprojekt, das Bild dieser Welt zu zeichnen.
Der Bauer, der zur Unzeit sein Getreide verkaufen sollte, oder derjenige, der seinem Herrn Geschichten von Gewalt gegen Gutsbesitzer erzählt, der Seminarist, der sich für etwas Besseres hält, die brutal verprügelte Kupplerin, der in alle Geheimnisse eingeweihte Pferdedoktor, der missratene, gequälte Sohn, die Frau, die ihr Leben in der Erinnerung an einen jugendlichen Sommer voller Liebe verbringt, und nicht zuletzt der Städter, der kurz in seinem provinziel len Kindheitsort Halt macht - in all diesen und anderen Figuren, in jeder dieser präzisen wie poetischen, anrührenden Skizzen, findet sich ein Stück dieser Welt wieder.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2016
Seherische oder seismografische Fähigkeiten, wie sie Schriftstellern gerne zugeschrieben werden, kann Peter von Matt im Fall der 14 Erzählungen, die Iwan Bunin im Schicksalsjahr 1913 verfasst hat, nicht erkennen. Doch auch wenn die Geschichten keine Vorahnung von aufziehendem Unheil und Umsturz enthalten, sind sie doch zweifellos große Literatur, findet der Rezensent, der insbesondere das immense Spektrum von Bunins Erzählkunst bewundert: ob episch ausgebreitet oder lyrisch verdichtet, satirisch zugespitzt oder naturalistisch beobachtend - Bunin beherrscht "alle Register des russischen Geschichtenerzählens" souverän, staunt von Matt.
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