Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Aufzeichnungen aus dem Abseits

Cover: Aufzeichnungen aus dem Abseits
Dörlemann Verlag, Zürich 2016
ISBN 9783038200321
Gebunden, 256 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Felix Philipp Ingold. Erst seit dem frühen 20. Jahrhundert gelten "Die Aufzeichnungen aus dem Abseits" als ein Hauptwerk nicht nur Fjodor Dostojewskijs, sondern der russischen Erzählkunst insgesamt. Für das Verständnis der großen Romane Dosto­ jewskijs sind sie ein Schlüsseltext. Die "Aufzeichnungen aus dem Abseits" - sie erschienen erstmals 1864 - sind in zwei Teile gegliedert. Entgegen der Chro­nologie bietet Teil I ("Das Abseits") den kommentieren­ den Nachtrag zu dem autobiographischen Bericht, der in Teil II ("Bei nassem Schnee") erstattet wird, faktisch und zeitlich dem Kommentar jedoch vorgeordnet ist. Der Er­zähler erläutert, analysiert und rechtfertigt also seine Le­bensgeschichte, noch bevor er sie dem Leser dargeboten hat. Dass der "abseitige Mensch", der alles daransetzt, seine unverwechselbare Eigenart gegenüber der mehrheitlichen Gleichmacherei und Anpassung zu behaupten, auf solche Weise typisiert und gleichsam als Modell vorgeführt wird, ist eins der zahlreichen Paradoxa, die das Faszinosum wie auch die Provokation der Aufzeichnungen ausmachen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2016

Zunächst möchte die hier rezensierende Übersetzerin Christiane Pöhlmann mit einem Vorurteil aufräumen: Nicht jede neue Übersetzung übertrifft ihre Vorgänger. Jüngstes Beispiel ist für sie Felix Philipp Ingolds Übertragung von Dostojewskis "Aufzeichnungen aus dem Abseits" - die sie mit Genuss zerlegt: Schon der Begriff "Abseits" sei unglücklich gewählt, erklärt Pöhlmann und verweist auf ältere Übersetzungen, die dem russischen "podolje" mit "Kellerloch", "Untergrund" oder "Unterbewusstsein" wesentlich näher gekommen seien. Auch mit Ingolds Archaisierungen und der Tendenz zur Umgangssprache unserer Gegenwart - etwa "Stinkefinger" oder "Gutmensch" ist die Kritikerin nicht zufrieden. Dass sich neben zwar originalsyntaxgetreuen, aber holprigen Formulierungen auch noch einige Fehler einschleichen, Ingolds Version von Dostojewskis Helden mit dem Original jedoch nicht mehr viel zu tun hat, lässt für Pöhlmann nur einen Schluss zu: Lieber zu den Übersetzungen von Röhl, Rahsin oder Geier greifen.
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