Zur Geschichte der einzigen staatlichen Schriftstellerhochschule in der DDR und ihrer Funktion und Bedeutung im literarischen Raum der DDR.
Das Leipziger Institut für Literatur "Johannes R. Becher" ist eine Schlüsselinstitution der DDR-Literaturhistorie. 1955 in der DDR gegründet, wurden hier unter den Bedingungen einer normativ dominanten Herrschaftsstruktur Prozesse und Formen des literarischen Schreibens gefördert und vermittelt. Knapp 1000 Absolventen, darunter einige später namhafte DDR-Autoren (Werner Bräunig, Adolf Endler, Rainer und Sarah Kirsch, Erich Loest, Fred Wander), wurden am Becher-Institut zwischen 1955 und 1993 literaturpädagogisch und intellektuell sozialisiert. Die Fäden von fast vierzig Jahren Literaturgeschichte der DDR laufen an einem Ort zusammen, wo ideologische Doktrin, künstlerischer Auftrag und das Streben nach ästhetisch-poetischen Freiräumen im konfliktträchtigen Widerspruch standen.
Was haben Sarah und Rainer Kirsch, Heinz Czechowski, Thomas Rosenlöcher, Ralph Giordano gemeinsam? Sie alle wurden am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, das damals noch "Institut für Literatur Johannes R. Becher" hieß, ausgebildet. "Ausgebildet" trifft es allerdings nicht ganz, meint Rezensent Tobias Gohlis: "Geschliffen" passt da schon eher und kann sowohl positiv als negativ ausgelegt werden. "Parteischule oder Dichterschmiede" - die meiste Zeit ist das Literaturinstitut eben doch keines von beidem gewesen, weiß Gohlis nach der Lektüre von "Schreiben lernen im Sozialismus" - ein Buch, in dem Isabelle Lehn, Sascha Macht und Katja Stopka umsetzen, was man sich 1995 vorgenommen hatte: Die umfassende Aufarbeitung der Geschichte des Deutschen Literaturinstituts von 1955 bis 1993. Nach ausführlicher Recherchearbeit und zahlreichen Zeitzeugen-Interviews der drei AutorInnen liegen nun äußerst informative und "gut lesbare" 600 Seiten vor. Ein bedeutsames Buch, ein großer Verdienst, lobt Gohlis.
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