Ob "Vogue" oder "Monopol", ob "Vanity Fair" oder "Elle" - die Kunstmagazine inszenieren ihre Werke mit Models, die Modemagazine ihre Models mit Kunstwerken. Der große Hype der Kunst wirkt in die Modewelt und umgekehrt. Doch ist dies im Grunde keine neue Beobachtung - denn die Bereiche der Mode und der Kunst haben sich schon immer gegenseitig beeinflusst und gegenseitig skeptisch beobachtet. So hat Yves Saint Laurent Bildmotive von Piet Mondrian in Kleiderentwürfe gewandelt oder Calvin Klein seine Mode in den Skulpturen von Donald Judd fotografieren lassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.01.2009
Elke Buhr lässt keinen Zweifel, dass es der Autorin um symbolisches Kapital geht. Der feine Firnis alter Schule, der die Analyse der Kunstkritikerin Isabelle Graw überzuckert, stört Buhr nicht weiter. Ideologiekritisch geht es nun mal zu beim Blick auf den Strukturwandel im Verhältnis von Kunst und Markt, findet sie. Und wenn Graw sich auf die Stärken ihrer Profession besinnt und sie gegen eine vom Markt beeinflusste Kritik sowie gegen die Selbstvermarkter in den Galerien in Stellung bringt, hat Buhr Respekt. Immerhin verzichtet die Autorin auf Schwarzmalerei und setzt auf Differenzierung. Das, meint Buhr, liest sich nicht immer so leicht weg, aber so geht's halt zu im intellektuellen Kunstmilieu.
Auf den ersten Blick denkt Rezensent Hanno Rauterberg, hier nun liege endlich das scharfsinnige, enthüllende Buch über die multikausal miteinander verstrickte Kunstszene und ihre Korrumpiertheit vor, über das komplexe Verhältnis von Markt, Kunstkritik und Ästhetik und über die dort herrschenden, kaum entwirrbaren Interessen und Machtverhältnisse. Aber bald stellt Rauterberg zu seinem großen Bedauern fest, dass Isabelle Graw selbst Symptom der von ihr diagnostizierten Krankheit ist, die sie mit der Indifferenz und dem Relativismus, der ihre Argumentation durchzieht, für den Rezensenten geradezu exemplarisch werden lässt. Am Ende schaudert er.
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