Insa Meinen

Wehrmacht und Prostitution im besetzten Frankreich

Cover: Wehrmacht und Prostitution im besetzten Frankreich
Edition Temmen, Bremen 2002
ISBN 9783861087892
Gebunden, 264 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Kaum war die Wehrmacht in Paris einmarschiert, erließ sie Richtlinien zur Steuerung der Prostitution. Einem Netz von Wehrmachtsbordellen stand die Verfolgung derjenigen Französinnen gegenüber, die des Umgangs mit Wehrmachtsangehörigen verdächtigt wurden. Charakteristisch für das deutsche Kontrollsystem war die Verknüpfung von Internierungslager und Bordell.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.09.2002

Wie Christa Paul hervorhebt, hat Insa Meinen mit ihrem Buch über das Vorgehen der Wehrmacht im besetzten Frankreich "eine äußerst differenzierte Studie" vorgelegt. Nach sorgfältiger Analyse von Regierungserlässen, Berichten, Merkblättern, Einzelakten und unter Beleuchtung verschiedener Themenaspekte gelangt Meinen der Rezensentin zufolge zur Erkenntnis, dass die Wehrmachtsbordelle in Frankreich Teil eines "Maßnahmenkatalogs zur Steuerung der Geschlechterbeziehungen" zwischen den deutschen Besatzern und den französischen Frauen waren. Meinens Untersuchung, die die Dissertation der Autorin zur Grundlage hat, bildet einen "wichtigen Beitrag zur Geschichte der Geschlechterverhältnisse im Krieg", so ist sich Christa Paul sicher. Und: Dem Werk liege ein von Meinen ausgeklügelter Analyserahmen zugrunde, den mögliche zukünftige Studien sich zunutze machen könnten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.05.2002

Was Birgit Aschmann als den "anderen Nahkampf" bezeichnet, findet unterhalb der Gürtellinie statt. Denn als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Anwesenheit der Soldatenehefrauen am Kriegsschauplatz nicht mehr mit der modernen Kriegsführung vereinbar war, "wurde die Triebbefriedigung der Soldaten ein Thema bei der Militärführung". Auch im besetzten Frankreich des Zweiten Weltkrieges sah das Oberkommando des Heeres (OHK) "Regelungsbedarf". Die Rezensentin macht dafür mehrere Motive aus: eine Kanalisierung der Sexualbeziehungen zwischen deutschen Soldaten und Französinnen in Bordellen, um persönliche, das Feindbild unterminierende Verwicklungen zu vermeiden, doch auch die Ansteckungsgefahr mit Geschlechtskrankheiten, die als zersetzender Übergriff auf den "Volkskörper" verstanden wurde. Es kam zur staatlich organisierten Verfolgung der "wilden", d.h. unkontrollierten Prostitution. Doch für die Rezensentin bleiben wichtige Fragen offen, was sie auf die stark militärgeschichtliche und gender history zentrierte Herangehensweise der Autorin und ihre Beschränkung auf amtliche Quellen zurückführt. Sind die Bordellbesuche eine Virilitätsinszenierung? Wirken sich Geschlechtserkrankungen auf das männliche Selbstbild aus? Entstehen Rückkoppelungseffekte auf die Kriegsbereitschaft? Beeinflusst der Bordellbesuch das Frauenbild? Und wie wirkt sich die sexuelle Praxis auf das Bild des deutschen Soldaten in der französischen Öffentlichkeit aus?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.04.2002

Rezensentin Susanne Heim erblickt in Insa Meinens "gut lesbarer" Studie über die Wehrmacht und die Prostitution im besetzten Frankreich einen wichtigen Beitrag zur Geschlechterforschung in einem Gebiet, das die Geschichtsschreibung über den Nationalsozialismus in der Regel ausklammert. Wie die Rezensentin ausführt, stellt Meinen die Politik der Besatzermacht in Sachen Prostitution dar. So wurde unmittelbar nach der Besetzung Frankreichs ein Netz von Bordellen für deutsche Soldaten und Offiziere errichtet, in denen Wehrmachtsangehörigen sexuelle Kompensation für ihre Entbehrungen geboten wurde. Insgesamt zeigt Insa Meinen nach Auskunft der Rezensentin, dass die Reglementierung der Prostitution weit mehr war als eine seuchenhygienische Maßnahme und dass sich die Kontrolle, die vermeintlich "nur" den Prostituierten galt, auf immer weitere Kreise der weiblichen Zivilbevölkerung erstreckte. Heim hebt außerdem lobend hervor, dass es der Autorin gelungen ist, "in ihrer Analyse sowohl die polizeiliche Optik zu meiden, die aus den Dokumenten spricht, als auch die voyeuristisch-moralisierende Sicht, aus der so häufig über Prostitution geschrieben wird". Eine weitere Stärke des Buches sieht Heim in der "Synthese der verschiedenen Perspektiven der Geschichtsschreibung", wobei sie allerdings ein resümierendes Schlusskapitel vermisst. Insgesamt bietet Meinens Untersuchung nach Einschätzung eine Fülle von Anregungen für die Geschlechter- ebenso wie für die Sozialgeschichtsschreibung und die Okkupationsforschung.