Ein Großteil der deutschen Nachkriegskinder ist ins Leben hineingeprügelt worden. Wie kam es dazu, dass Eltern zu Teppichklopfer oder gar Rohrstock griffen? Was wurde aus diesen Kindern, die lange Jahre ihres Lebens mit dem Gefühl durch die Welt gingen: Die Eltern mögen mich nicht, ich bin ein Nichts! Erst nachdem bekannt wurde, dass in Heimen und Privatschulen Misshandlungen an der Tagesordnung waren, dass Geistliche Kinder mit Stöcken schlugen - erst seitdem wird offen über die damals an Kindern verübte alltägliche Gewalt geredet. Fragen nach dem WARUM kommen auf: War es der Zeitgeist, der zu Watsch'n und einer Tracht Prügel verleitete? Hing es damit zusammen, dass die Väter traumatisiert aus dem Krieg zurückkehrten? Geschah dies alles in einer unsäglich brutalen Erziehungstradition? Mit einem Blick auf Gegenwart und Vergangenheit beschreibt dieses Buch, wie sich der Vertrauensbruch der Eltern auf die Biografie der Kinder ausgewirkt hat. Wie die demütigenden Schläge die Gefühle, den Alltag und die Beziehungen einer ganzen Generation bis heute beeinflussen. Und ob die einst geprügelten Kinder als spätere Erwachsene diesen Eltern verziehen oder mit ihnen brachen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2012
Nach wie vor wichtiges Thema, leider zu wenig fachwissenschaftlich und zu sehr aus personaler Perspektive behandelt. So beschreibt Hannes Hintermeier seinen Lektüreeindruck zu diesem Buch von Ingrid Müller-Münch. Die gebrachten Fallbeispiele erschüttern den Rezensenten gerade durch ihre Vertrautheit. Wenn die Autorin jedoch Freunde befragt und sich selbst als Opfer outet, wird's Hintermeier schnell zu repetitiv. Besser gefallen ihm die Abstecher in die DDR, in die Schulpädagogik und der leider zu kurze historische Abriss. Gern hätte er gelesen, wie die Politik sich dem Thema annimmt und gern auch mehr eigene Gedanken statt Paraphrase und Zitat zuhauf.
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