Ingo Niermann

Der Effekt

Roman
Cover: Der Effekt
Berlin Verlag, Berlin 2001
ISBN 9783827001337
Gebunden, 194 Seiten, 14,32 EUR

Klappentext

Rebecca findet ihren Mitbewohner Julius nach einer Party tot auf. Sie bemüht sich, die Umstände dieses Todes aufzuklären, doch als sie den Ort der Party betritt, stößt sie auf eine weitere Leiche. Chris und Daniel, die die zweite Leiche gefunden haben, lenken Rebeccas Aufmerksamkeit fortwährend von den Toten ab. Haben auch sie die neue, vielleicht vernichtende Droge genommen? Rebecca gerät plötzlich in eine Welt, in die der Tod als letzte Konsequenz entrückter Glückssuche getreten ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.08.2001

Einen richtigen Verriss macht Uwe Pralle aus seiner Rezension von Ingo Niermanns "Der Effekt" und der Hauptgrund dafür ist Niermanns Sprache. Die hält Pralle für so missglückt und diffus, dass jeder Versuch, inhaltlich Interessantes zu den Befindlichkeiten der beschriebenen Partygeneration mitzuteilen, in diesen "seltsamen Satzbauten und grammatischen Zwielichtigkeiten" verschwindet. Für diese sprachlichen Verirrungen liefert Pralle in seiner Rezensionen reichlich Beispiele. Selbst der Plot ist irgendwann nicht mehr erkennbar, weil der Sprachnebel dessen Konturen verschlucke, findet der Rezensent. So verliert er jegliche Neugierde auf die Geschichte, und die Lektüre wird für ihn zur Qual.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2001

Rezensent Stephan Maus zeigt sich inspiriert von Ingo Niermanns Portrait einer Edel-Clique, die zwischen Designerdrogen, Drinks und Partys ein erlesen gekleidetes, aber ziemlich beziehungsgestörtes Leben verbringt. "Ihre Paradiese sind künstlich und tödlich" und ihr "ganzes Leben ist ein Konditionalsatz" formuliert Maus. Und: "Die Beziehungen sind hier ebenso ins Schräge verschoben wie die Syntax." Das meint er als Kompliment. Für den Leser verbleibe diese verlorene Generation zwar in einer leicht unscharfen "Vermutungsperspektive". Doch wie durch ein Milchglas blickten eben auch die Protagonisten selbst auf ihr Dasein. Der "Effekt" macht deshalb für den, der konzentriert liest, durchaus seinen Effekt, lobt Maus, "etwa den eines monochromen Gemäldes, aus dessen Silhouetten sich hier und dort schlaglichtartig konkrete, sehr plastische Szenen herausschälen." Niemann schreibe, wie die späte Nouvelle Vague filmte, und sei damit gar der erste Autor, der einen auch stilistisch ernstzunehmenden Text über jenes Lebensgefühl der Tristesse Royal verfasst habe, in dem sich vor ihm schon Christian Kracht und andere "Popliteraten" bewegten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.03.2001

Von diesem Buch hat Rezensent Georg Diez Kopfschmerzen bekommen. Der Debütant Ingo Niermann zeichnet darin ein Bild seiner Generation als "Wohlstandswiderstandsprojekt" das sich nicht nur in der Beschreibung, sondern als "Poetik des Stammelns" auch in der Sprache niederschlägt, so der Rezensent. Niermanns Buch ist nicht nur sperrig, für Diez ist es sogar "zutiefst gescheitert". Doch dabei leiste es eine Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Verfasstheit einer Generation, die der Rezensent im Dissidentenwesen blasser Dandys erkennen will. Niermanns Figuren fassen ihr Leben "wie mit einer Pinzette" an, erklärt Diez. Der Beziehungslosigkeit der Personen liege eine Unfähigkeit zum Gefühl zugrunde, die sich zu einer depressiven Endzeitstimmung aufbaue. Das angestrengte Szene-Leben könne die innerliche Leere seiner Protagonisten nur schwer überdecken. Dabei, so Dietz, ist Niermann jedoch seinem eigenen "Beschreibungsfuror" erlegen, der zu einer "Beobachtsverspannung" geführt habe, indem der Autor Unwichtiges mit Bedeutung aufladen will und dabei das Wichtigste vergesse.
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