Ilija Trojanow

Macht und Widerstand

Roman
Cover: Macht und Widerstand
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015
ISBN 9783100024633
Gebunden, 480 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Konstantin ist Widerstandskämpfer, einer, der schon in der Schulzeit der bulgarischen Staatssicherheit auffällt und ihrem Griff nicht mehr entkommt. Metodi ist Offizier, Opportunist und Karrierist, ein Repräsentant des Apparats. Sie sind in einen Kampf um Leben und Gedächtnis verstrickt, der über ein halbes Jahrhundert andauert. Ilija Trojanow entfaltet ein breites zeitgeschichtliches Panorama von exemplarischer Gültigkeit. Eine Fülle einzelner Momente aus wahren Geschichten, die Trojanow seit den Neunzigerjahren in Gesprächen mit Zeitzeugen gesammelt hat, verdichtet er zu einer Schicksalserzählung von menschlicher Würde und Niedertracht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.02.2016

Ein Roman im erzählerischen Sinne ist das nicht, meint Rezensent Samuel Moser in der NZZ. Und doch ist es die Form des Buchs, die ihn die Grausamkeit des Inhalts besonders deutlich spüren lässt. Zwei Personen sind die Hauptfiguren: der Anarchist Konstantin Scheitanow, der in der kommunistischen Ära im Arbeitslager saß, und sein Stasi-Verfolger, Oberst a.D. Metodi Popow. Ihre - manchmal ganz ohne Bezug nebeneinanderstehenden - Selbstbetrachtungen werden ergänzt durch die "Jahre", die hier als griechischer Chor auftreten, und die Originaldokumente von Stasiverhören. Es ist ein "symmetrisches und statisches Buch", so Moser, das den Schrecken und die Verwüstungen, die der Kommunismus hinterlassen hat, nicht interpretiert und darum die entstandene Lähmung umso besser transportiert. Den hoch beeindruckten Rezensent packte jedenfalls mit einer der Hauptfiguren das "graue Grausen".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.09.2015

Dirk Knipphals findet es mutig von Ilija Trojanow, sich dem Thema Gewaltherrschaft am Beispiel Bulgariens mit einem Roman zu stellen. Allerdings schafft es der Autor laut Knipphals nicht, den vielen fleißig recherchierten Fakten im Text auch eine Geschichte zu spendieren und Figuren mit einem echten Innenleben, die den existenziellen Riss in einer Gesellschaft wie der vorgeführten wirklich spürbar machen. Laut Knipphals spricht der Autor sein Thema bloß an, gestaltet es aber nicht literarisch. Trojanow erzählt nur, zeigt aber nicht, meint er. Die vielen kleinen Geschichten von Opfern und Tätern und Menschen, die beides sind, schillern für den Rezensenten allerdings so schön mit Ambivalenzen und Verstrickungen. Und die schiere Stofffülle und die abgedruckten Originalakten der bulgarischen Staatssicherheit machen das Buch für Knipphals zu einem Geschichtsbuch im doppelten Sinn.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.09.2015

In jedem Fall wünscht Rezensent Jörg Magenau Ilija Trojanows neuem Buch "Macht und Widerstand" eine weitreichende politische Wirkung. Denn der Autor hat für dieses Buch nicht nur jahrelang in bulgarischen Archiven recherchiert und mit Opfern des Regimes gesprochen. So liest der Kritiker hier nach, wie rückständig sich Bulgarien noch heute mit Blick auf die kommunistische Vergangenheit präsentiert und wie schwierig es sich für die Opfer der Diktatur gestaltet, an Akten und Verhörprotokolle zu gelangen. Leider muss Magenau zugleich gestehen, dass Trojanows Roman über den einstigen Geheimdienstmann Metodi und seinen Gegenspieler, den jahrelang inhaftierten und observierten Widerständler Konstantin, literarisch nicht überzeugen kann. Zu eindimensional erscheint dem Rezensenten der traumatisierte Konstantin, zu wenige existentielle Fragen werden hier gestellt, um die Tragik beider Figuren zu beleuchten, urteilt der Kritiker.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.09.2015

Für den Rezensenten Martin Ebel ist "Macht und Widerstand" das persönlichste Buch Ilija Trojanows. Keine historisch verbürgte Person steht im Mittelpunkt dieses Romans, wie der Kritiker schreibt, sondern mit dem Helden Konstantin eine "Verdichtung und Steigerung" jener Dissidenten, die einst unter dem kommunistischen Schiwkow-Regime in Bulgarien leiden mussten. Grotesk-komisches Potenzial liegt für Ebel im Schreckensregime, und Trojanow spiele es auf vier Erzählebenen aus. Wegen des Detailreichtums und des Wissens um die Wahrheit des Erzählten ist für den Rezensenten vieles nur schwer auszuhalten, Ironie und Persiflage innerhalb der Geschichte seien da heilsame Ventile. Für Martin Ebel steht fest: Wer Trojanows Roman liest, erfährt "auf eine Weise, wie nur Literatur Erfahrung ermöglicht", wie das Leben im Kommunismus aussah.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.08.2015

Bleibende Bedeutung prophezeit Rezensent Andreas Platthaus dem neuen Roman von Ilija Trojanow, der diesmal laut Platthaus nicht als Weltensammler, sondern als Schicksalssammler unterwegs ist. Exemplarisch an zwei abwechselnd erzählenden, in einem Duell miteinander stehenden Figuren zeigt der Autor laut Platthaus die Macht und den Widerstand im kommunistischen Bulgarien. Besonders wirkungsvoll erscheint Platthaus Trojanows Methode, echte Biografien und Dokumente aus dem Archiv der Staatssicherheit in den Text zu montieren. Dass der Autor außerdem eine ganze Palette an Prosaformen, von der Groteske bis zur Chronik, einbaut, bereichert das Buch laut Rezensent zusätzlich, sodass es schließlich für ihn in eine Traditionslinie mit Peter Weiss' "Die Ästhetik des Widerstands" passt.
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