Bitcoin geht alle an, nicht nur Finanzgurus und IT-Nerds. Im Film "Matrix" muss sich der Held entscheiden, ob er die blaue oder die rote Pille schluckt. Die blaue lässt ihn vergessen, die rote die Wahrheit über die Welt erkennen. Daran angelehnt wird der Bitcoin "die orangene Pille" genannt, denn wer sich mit ihm auseinandersetzt, dem wird die Macht von Wall Street und Zentralbanken in unserer Welt bewusst. Und der Bitcoin verheißt die Befreiung davon: Er ist unabhängig von zentralen Instanzen wie Banken und nicht durch sie manipulierbar. Kenntnisreich und mit Leidenschaft schildert Mangold, wie sogar er, der Literaturkritiker, der Faszination Bitcoin verfiel und weswegen es sich dabei nicht lediglich um eine digitale Währung handelt, sondern um ein Freiheits- und Gerechtigkeitssystem.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2023
Zumindest in einem Punkt kann Rezensent Martin Hock dem Zeit-Feuilletonisten Ijoma Mangold recht geben: Bitcoin ist mehr als bloße Spielerei. Deshalb hätte er sich auch mehr von diesem Buch gewünscht als den erklärten Versuch, von einem Bekehrten "georangepilled" zu werden. Dass Mangold sich von Bitcoin eine Weltrevolution erhofft, kann Hock noch verkraften, aber was er über die ökonomischen Grundlagen der Kryptowährung schreibt, findet der Rezensent doch ziemlich angreifbar. Dem Rezensenten stellen sich Fragen: Was ist an Bitcoin gerecht? Warum ist sein marktradikaler Ansatz auf einmal erstrebenswert? Und warum gilt Greshams Gesetz, demzufolge schlechtes Geld gutes Geld verdrängt, nicht bei Bitcoin? Letztlich sieht Hock in dem Buch das "Pamphlet einer Bitcoin-Ideologie", das sowohl Gläubige als auch Verächter in ihren Überzeugungen bestätige.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.03.2023
Rezensent Philipp Bovermann hat einen Verdacht: Hat Ijoma Mangold am Ende viel mehr geschrieben als ein Buch über die Funktionsweisen von Bitcoin? Wie der Autor sich der Materie annähert, eigene Hemmschwellen und Vorurteile der digitalen Währung und ihrer Jünger gegenüber überwindet und schließlich der Magie des Coins verfällt, findet Bovermann unterhaltsam zu lesen. Doch erst mit einer zeitdiagnostischen Lektüre kommt er dem Text auf die Schliche: Mangold, der sich in seiner Autobiografie als überangepasster Sohn eines Nigerianers outete, outet sich nun als Freund einer politischen Universallösung und der totalen Freiheit. So oder anders. Bovermann überlässt es dem Leser.
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