Gute Nachrichten sind selten eine Meldung wert -auch nicht, wenn sie aus Israel kommen. Dabei gibt es sie, und sie sind nachzulesen in diesem Buch, das zum 75. Jahrestag der Staatsgründung erscheint. Der israelische Journalist und Autor Igal Avidan berichtet, entgegen der üblichen Fernsehbilder, aus einer bewegten Gesellschaft, in der Juden und Araber längst ein Zusammenleben gefunden haben, das den Vorstellungen von ewigem Hass (von Politikern auf beiden Seiten gern geschürt) nicht entspricht. Eine friedliche und zugleich brüchige Co-Existenz auf dem Vulkan - davon erfährt man in diesen Reportagen aus dem Alltagsleben in Israel. Gegenseitige Pogrome sind zwar an der Tagesordnung, gegenseitige Hilfe, Solidarität, Nachbar- und Freundschaft aber auch.
Rezensent Klaus Hillenbrand hat nach der Lektüre von Igal Avidans Buch zumindest ein bisschen Hoffnung bezüglich Friedensbemühungen im Konflikt zwischen Juden und Arabern in Israel. Der Journalist Avidan besucht, lernen wir, israelische Städte, die im Jahr 2021 Zentren gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen jüdischen und arabischen Israelis waren, und sucht dort nach Menschen, die sich der Gewalt entgegenstellen. Er stößt, so Hillebrand, unter anderem auf den Besitzer eines damals zerstörten Restaurants, der nicht auf Rache aus ist und auf eine Frau, die jungen Arabern das Erbe des Holocaust näherbringt. Wer 2021 für die Gewalt verantwortlich war, lernt Hillenbrand aus dem Buch zwar nicht, aber indem es jenen eine Stimme gibt, die für Versöhnung eintreten, macht es dem Rezensenten Mut.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.07.2023
Rezensent Micha Brumlik sieht sich mit Igal Avidans Buch in seiner Meinung bestätigt, dass der Staat Israel kein Apartheidsstaat ist, sondern eine multiethnische Demokratie: die einzige im Nahen Osten. Als Porträt der arabischen Oberschicht in Israel bietet das Buch dem Leser laut Brumlik eine informative Städtereise durch das arabische Israel, hin zu hebräisch sprechenden Arabern und israelkritischen Palästinensern, die auch von der israelischen Debatte über den Holocaust geprägt sind. Die Mischung aus Zeitzeugeninterviews und eigenen Schilderungen des Autors ergibt für Brumlik ein bemerkenswertes Lagebild, aufschlussreich und ungeschönt.
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