Aus dem Niederländischen von Waltraud Hüsmert. Erzählt wird die Geschichte des kleinen, rotzfrechen Louis Seynaves aus dem flämischen Walle, der zu Beginn am Straßenrand hingerissen den Einmarsch deutscher SS-Verbände in sein Heimatstädtchen verfolgt. Und schnell ist der Leser vertraut mit diesem Kleinstadt-Kosmos - und mit dem Internats-Geheimbund "Die vier Apostel", dem Louis angehört, bis er nach Hause entlassen wird. Zuhause: das sind die Gassen um den Grote Markt, die schummrigen Winkel in der Druckerei des Vaters, und das ist vor allem der Familientratsch am Küchentisch. Jede kleine Denunziation, jede opportunistische Versuchung, sich mit den "Germanen" gegen die Wallonen zu verbünden, jede Episode dieser spannenden Jahre erlebt Louis mit - wie einen Weltalltag.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.07.2008
Weil das Buch in seiner "brillanten Neuübersetzung" bislang so wenig Beachtung fand, nimmt Klaus Nüchtern sich seiner an. Nüchtern tut das mit viel Sympathie für ein Schwergewicht von einem Werk, das dennoch "süffig" genug, ohne Pathos und Tragik, sein Thema Loyalität und Verrat behandelt und das trotz aller Nähe zum Schelmen- und Entwicklungsroman sich gewohnten Sinnmustern entzieht. Formal stellt sich das dem Rezensenten als Abwesenheit einer durchgängigen Heldenperspektive, ja überhaupt eines Helden oder auch Anti-Helden dar (obschon mit dem jungen Louis eine Figur im Mittelpunkt steht) und dem "ansatzlosen" Wechsel zwischen realistischem und fantastischem Erzählen. Irritierender als das erscheint Nüchtern die "schnoddrige Beiläufigkeit" ("im Namen der Flamen") mit der Hugo Claus hier von Krieg und Kollaboration erzählt, ohne dabei auf eine "kathartische Pointe" zu zielen. Dass der Verzicht auf jede Didaktik bei Nüchtern gut ankommt, erkennen wir deutlich.
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