Jacqueline Harpman

Ich, die ich Männer nicht kannte

Roman
Cover: Ich, die ich Männer nicht kannte
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2026
ISBN 9783608966701
Gebunden, 224 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Luca Homburg. In einem unterirdischen Gefängnis sitzen neununddreißig Frauen. Was übertage geschehen ist, wissen sie nicht: Wurde die Welt verlassen, von einem Virus verwüstet? Die Frauen können sich nicht erinnern, wie sie in den Käfig gelangt sind, haben jegliches Zeitgefühl verloren und nur eine vage Ahnung von ihrem alten Leben. Ihre Aufseher, sechs schweigsame Männer in Uniform, sprechen nicht mit ihnen und berühren sie nur, um sicherzustellen, dass keine von ihnen versucht, sich das Leben zu nehmen. Eines Tages ertönt ein Alarm, und die Wachen verschwinden; die Tür steht offen. Als erste wagt jene vierzigste Gefangene den ersten Schritt, die nichts als das Gefängnis kannte. Doch anders als erhofft, finden die Frauen draußen nicht die Freiheit, sondern eine Welt, die sie nicht wiedererkennen und in der sie lernen müssen, sich gemeinsam zurechtzufinden.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2026

Rezensentin Marie-Luise Goldmann ist ziemlich froh, dass der TikTok-Hype dazu verholfen hat, dass Jacqueline Harpmans Roman dreißig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung endlich auch auf Deutsch erscheint: Die 1929 in Belgien geborene Autorin stellt darin auf dystopische Weise existenzielle Fragen nach dem Sinn und den wichtigsten Kräften des Lebens. Ihre Protagonistin scheint die letzte Überlebende zu sein, eine zeitlang war sie mit anderen Frauen in einem Gefängnis eingesperrt, Männer hat sie in ihrem Leben bislang keine kennengelernt, resümiert Goldmann. Ihr gefällt, wie sich das Buch klaren Einordnungen entzieht und Erklärungen verweigert, etwa woher Leichenberge kommen, oder warum die Erzählerin in einem lichtlosen Keller aufgewachsen ist. Die Kritikerin fühlt sich an Kafka und Haushofer erinnert: Ein "Meisterwerk", das lange nachhallt, findet sie.

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