Frans de Waal

Der Unterschied

Was wir von Primaten über Gender lernen können
Cover: Der Unterschied
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2022
ISBN 9783608986396
Gebunden, 480 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Claudia Arlinghaus. Wie unterschiedlich sind Männer und Frauen? Gendern nur wir Menschen, oder eignen sich auch Menschenaffen geschlechtsspezifische Rollen an? Auf der Grundlage jahrzehntelanger Beobachtungen von Primaten, insbesondere unserer nächsten lebenden Verwandten, den Schimpansen und Bonobos, untersucht Frans de Waal, was wir über biologische Geschlechtsunterschiede und die Rolle von Kultur und Sozialisation wissen. Sein Fazit: Gender und Geschlecht unterscheiden sich, und Geschlecht ist mehr als ein soziales Konstrukt. Fachkundig räumt de Waal nicht nur mit geschlechtsspezifischen Vorurteilen auf, die auch von Wissenschaftler viel zu lange gepflegt wurde.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 31.10.2022

Susanne Billig ärgert sich, dass Frans de Waal seinen Buch mit einem Stereotyp von männlicher Dominanz und weiblicher Domestizität beginnt - wenn auch bei Primaten. Dass er das aber schnell wieder verwirft, gefällt ihr, der Autor zeigt auf, wie Sexualität in einer Gruppe Orang Utans ohne Scheu und Scham gelebt wird. Dies begleite der Autor durch sein Changieren zwischen Forschung und Fun, Anekdoten kämen nicht zu kurz und sorgten für Kurzweil. Die Rezensentin erfährt, dass es trotz Vorurteilsfreiheit dennoch Geschlechterrollen gibt, die bei den Primaten kulturell weitergegeben werden - de Waal überzeugt sie aber auch mit seiner Annahme, dass nicht alles in Stein gemeißelt sei, weder beim Menschen noch beim Tier, was Geschlechter angeht. Ein bisschen mehr Fokus auf die Ausnahmen von der Regel hätte dem Buch aber gutgetan, so Billig.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 15.10.2022

Rezensentin Marianna Lieder ist mit einiger Mühe in der Lage Frans de Waals "Der Unterschied" als Sachbuch über Geschlechterverhältnisse und die Trennung von Sex und Gender bei Primaten zu lesen. So betrachtet, sei das Buch durchaus interessant, spannend, sogar teilweise amüsant. Äußerst "problematisch" und enervierend seien dagegen de Waals hartnäckige Versuche, von Affen auf Menschen zu schließen. Eine von De Waals Hauptthesen ist, dass das biologische Geschlecht sich durchaus auf das soziale Geschlecht auswirken kann, und dies mit Ausnahmen auch in der Regel tut. Sex und gender seien also nicht komplett unabhängig voneinander. Man muss diese These, so Lieder, nicht einmal verwerfen, um de Waals Umgang damit zu kritisieren. Ist das Verhältnis von biologischem und sozialem Geschlecht beim Menschen vielleicht doch ein klitzekleines bisschen vielschichtiger als bei Affen, fragt sich die Rezensentin zum Beispiel. Warum glaubt der Autor, Errungenschaften des Feminismus wie die Tatsache, dass Frauen Chefärztinnen werden können, legitimieren zu müssen mit bestimmten vermeintlich äquivalenten Phänomenen aus der Tierwelt? Und glaubt er wirklich, Sexismus sei kein Sexismus, wenn er sich großzügig in den Dienst der Kritik an männlichen Verhaltensweisen stellt? So bleibt die Rezensentin nach der Lektüre also einerseits bereichert zurück, andererseits gereizt und verärgert.

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