Howard Jacobson

J

Roman
Cover: J
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2015
ISBN 9783421046888
Gebunden, 416 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Friedhelm Rathjen. Die Bewohner Port Reubens leben in scheinbarer Harmonie, sie hören nur noch Schnulzen und lesen kitschige Liebesromane, und nach dem schrecklichen Ereignis, über das nur als "Was geschah, falls es geschah" gesprochen wird, bekamen alle neue Namen. Kevern Cohen misstraut als Einziger dieser "großen Familie" und ihrer freiwilligen Ahnungs- und Meinungslosigkeit. Er ist ein Eigenbrötler, der die Bücher und Jazzplatten seines Vaters aufbewahrt hat und allein in einer Hütte auf den Felsen wohnt. Eines Tages wird ihm Ailinn Solomons vorgestellt, eine schwarzhaarige Schönheit, und die beiden fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Doch Keverns Unbehagen wächst: Ist ihre Liebe wirklich nur aus ihren spontanen Gefühlen genährt, oder haben andere Interesse an ihrer Beziehung? Ist er nur paranoid, oder werden sie tatsächlich überwacht und sind Teil eines allumfassenden, perfekt ausgeklügelten Plans?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2016

Anja Hirsch verdankt Howard Jacobsens neuem Roman "J" herrliche, leuchtende Einzelszenen. Als Ganzes vermag der Roman die Kritikerin aber nicht zu überzeugen: Zu unübersichtlich erscheint ihr die Dystopie, in der Jacobsen von einem postapokalyptischen Land erzählt, in dem jeglicher "experimenteller Intellektualismus", alle Erinnerungen und "Proustsche Schwälle von Rührseligkeit" verbannt werden sollen. Dass mit der Katastrophe der Holocaust gemeint sein könnte, kann die Rezensentin nur vermuten. Während sie den Autor einmal mehr für sein psychologisches Gespür und seine Figurenzeichnung lobt, bleibt ihr Lesevergnügen unter all den Spekulationen und Stilmitteln leider auf der Strecke.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2016

Auf eine gute Weise verstört fühlt sich Rezensentin Renate Wiggershaus nach der Lektüre von Howard Jacobsons aus verschiedenen Textsorten und -fragmenten zusammengesetzem "Roman-Mosaik" J. Jacobsons sowohl bitter traurige als auch auf schmerzhafte Weise komische Dystopie spielt in der Zukunft eines Küstenortes, lesen wir. Darin gehe es um die Verarbeitung bzw. Verdrängung des Holocaust, um Fremdheit, Anderssein und Gewalt. Dabei werden quälende Fragen aufgeworfen über das "strahlende Gleichgewicht des Hasses" und die gierige Natur des Menschen, so die Rezensentin. Dies sowie den Fein-und Scharfsinn des Romans weiß sie mit einer ausführlichen Zusammenfassung zu würdigen und auch für die "herausragende" Übersetzung von Friedhelm Rathjen hat sie nur Lob.