Anne Enright

Rosaleens Fest

Roman
Cover: Rosaleens Fest
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2015
ISBN 9783421047007
Gebunden, 384 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser. Rosaleen ist eine Frau, die nichts tut und von den anderen alles erwartet. Sie ist Mitte siebzig, die vier Kinder sind schon lange aus dem Haus. Die Brüder Dan und Emmett sind vor der Enge der irischen Heimat in die Ferne geflohen; das Nesthäkchen Hanna wollte auf den Theaterbühnen der Welt reüssieren, spricht aber nun dem Alkohol zu, und Constance, die Älteste, hat sich selbst verloren. Doch abgenabelt hat sich keines der Kinder. Noch immer versucht jedes auf seine Weise, es dieser besten aller Mütter recht zu machen. Und scheitert. Da kommt die Einladung zu einem letzten Weihnachtsfest in Ardeevin. Rosaleen möchte das Haus, in dem die Kinder groß geworden sind, das voller Erinnerungen an glückliche Momente und Verletzungen steckt, verkaufen. Die Geschwister reisen mit diffuser Hoffnung auf Versöhnung an - und doch endet es, wie noch jedes Weihnachten geendet hat.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.12.2015

Tief in die Abgründe einer Familie schaut Rezensentin Jutta Person mit Anne Enrights Roman. Die Vorbereitungen zum Weihnachtsfest bringen so manches zutage, was besser unsichtbar geblieben wäre, meint Person und verzeiht der Autorin das ein oder andere irische Klischee, wenn Enright die Familiengeschichte quasi von hinten aufrollt, indem sie die erwachsenen Mitglieder erst in ihren eigenen Zusammenhängen zeigt, um dann anzudeuten, wie wenig sie sich doch von zuhause haben abnabeln können. Die von der Autorin anvisierte Revision eines Familienlebens gelingt laut Person durch unsentimentale bis spöttische Einzelporträts und einen kargen Realismus, in den die Autorin mitunter allerdings doppelte Böden einzieht, wie Person meint.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2015

Rezensentin Rose-Maria Gropp ahnt, dass die Autorin für ihre Figuren keine Erlösung vorgesehen hat. Wenn Anne Enright die Mitglieder einer in alle Winde zerstreuten Familie zum Fest zusammenkommen lässt, kommt dabei nichts als Streit heraus. Das eigentliche Zentrum des Romans aber sieht Gropp in den zuvor gegebenen Einzelbeobachtungen der Figuren und ihrer Liebes- und Lebensschicksale. Hier läuft die Autorin laut Gropp zu Höchstform auf, beobachtet distanziert, ja unbarmherzig, und doch so, als würde sie direkt neben ihren Figuren stehen. Das ist scharfsichtig und sprachlich stark, findet Gropp und ist froh, dass es nicht zu Kolportage oder Sentimentalitäten führt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.11.2015

Sylvia Staude liest den Roman von Anne Enright um Familienbande und die Verheerungen unter Verwandten mit viel Freude, auch wenn sie das Buch für alles andere als einen versöhnlichen Familienroman hält. Im Gegenteil, sie trifft auf Momente, in denen ihr beim Lesen eiskalt wird. Zumal die Autorin die Leserin nicht eben orientierend an die Hand nimmt, wie Staude schreibt. Wie beklemmend und schonungslos und dann wieder satirisch Enright Figuren und Situationen zeichnet, hat Staude begeistert. Nüchtern, scharf, manchmal poetisch, immer ohne strapazierte Bilder, so findet sie, erzählt diese Autorin.
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