Meine Freunde
Roman

Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN
9783630877877
Gebunden, 544 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. Was es bedeutet, im Exil zu sein. London, im Jahr 1984: Als die beiden Studenten Khaled und Mustafa im jugendlichen Überschwang beschließen, an einer Anti-Gaddafi-Demo vor der libyischen Botschaft teilzunehmen, können sie nicht ahnen, wie sehr das ihr Leben verändern wird. Regierungsbeamte feuern am helllichten Tag auf die Demonstranten, eine Polizistin stirbt, die beiden werden verletzt und müssen erkennen, dass es von nun an keine Rückkehr in die Heimat mehr geben wird - selbst ein Telefonat mit den Eltern ist zu gefährlich. Umso enger wird die Freundschaft, die sich zwischen Khaled und Mustafa sowie dem regimekritischen Schriftsteller Hosam entwickelt, sie ersetzt ihnen die Familie und die Heimat. Bis viele Jahre später der Arabische Frühling beginnt und das revolutionäre Klima auch Libyen erreicht: Plötzlich scheint der Weg zurück nach Hause frei zu sein. Und die drei Freunde sind gezwungen, sich zu entscheiden: zwischen dem Leben, das sie sich in London aufgebaut haben, und dem Leben, das sie als junge Männer zurücklassen mussten ...
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Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 11.12.2025
Die "Einsamkeit eines Heimatlosen" wird für den Rezensenten Cornelius Wüllenkemper in Hisham Matars Roman über den libyischen Exilanten Khaled sofort greifbar: Die Geschichte setzt 1984 ein, als die libysche Botschaft in London das Feuer auf Demonstranten eröffnet, die Studenten Khaled und Mustafa sind vor Ort. Khaled ist aus Libyen geflohen, fühlt sich aber auch 30 Jahre später noch nicht in London zuhause, der Zwiespalt, das Gefühl der ewigen Heimatlosigkeit wird Wüllenkemper zufolge eindrucksvoll von Matar eingefangen. Eine ruhige, nicht psychologisierende Schilderung der Auswirkungen, die das Exil, die Diktatur auf einen Menschen haben, der so nie er selbst sein kann, hält der Rezensent abschließend fest.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.12.2025
Ein weiteres "Meisterwerk" hat Hisham Matar hier vorgelegt, versichert Rezensent Marko Martin. Der Roman kreist um ein Ereignis im Jahr 1984: Als in London vor der libyschen Botschaft Studierende gegen Gaddafi demonstrieren, wird mit Maschinenpistolen aus den Fenstern des Gebäudes geschossen, eine Polizistin stirbt, viele werden schwer verletzt. Matar erzählt nun die Geschichte von drei der Demonstranten, Khaled, Mustafa und Hosam, deren Leben von diesem Ereignis unwiderruflich geprägt wird. Khaled kann nicht mehr zurück an seine Universität in Tripoli, zu groß ist die Gefahr, dort von Gaddafi-Schergen verhaftet zu werden. In 108 "Stadtgang-Rückblenden", in denen Khaled durch London streift, entwirft Matar das "psychologisch ausgefeilte" Panorama einer Alltagswelt, beherrscht von Ängsten, den Gedanken an die zurückgelassene Familie und die Freunde, die das gleiche Schicksal teilen, aber andere Wege gehen: Mustafa wird irgendwann mit der Waffe in der Hand nach Libyen zurückkehren, der "längst verstummte Ein-Buch-Autor" Hosam findet immerhin die große Liebe. Es ist ein großes Buch über eine von "politischer Willkür stets bedrängte Freundschaft", das der Kritiker nur nachdrücklich empfehlen kann.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.11.2025
Rezensentin Lena Bopp schreibt wertschätzend über Hisham Matars Roman, ohne sich jedoch zu einem expliziten Lob durchzuringen. Sie beschränkt sich darauf, einen Zugang zu diesem Autor des libyschen Exils zu verschaffen, der auch in "Meine Freunde" seinem Thema treu bleibt. Der Roman blickt zurück auf das Leben des (fiktiven) Khaled Abd al-Hady, der 1984 verletzt wurde, als ein (realer) Mitarbeiter der libyschen Botschaft aus dem Fenster heraus auf demonstrierende Gegner Muammar al Gaddafis schoss. Bei einem Streifzug durch Londons Straßen, erfahren wir von der Rezensentin, lässt Khaled sein Leben an sich vorbeiziehen, seine Suche nach Heimat, Perspektive und Freundschaft. Bopp nimmt aus der Lektüre die bittere Erkenntnis mit, dass es häufig das gegenseitige Misstrauen ist, das die Exilanten am stärksten miteinander verbindet.