Hikaru Okuizumi

Das Gedächtnis der Steine

Roman
Cover: Das Gedächtnis der Steine
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart - München 2000
ISBN 9783421053244
Gebunden, 159 Seiten, 17,38 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe und Kimiko Nakayama-Ziegler. Die endgültige Niederlage zu Ende des Zweiten Weltkriegs klar vor Augen, terrorisiert ein brutaler Leutnant seine ihm verbliebenen Soldaten. Schwer verwundet erklärt ein älterer Soldat einem jungen Kameraden, daß allein die Steine die Wahrheit der Welt auf ewig in sich tragen. Der junge Soldat überlebt, die Erlebnisse dieser letzten Tage jedoch wollen ihm keine Ruhe lassen. Je älter er wird, desto mehr verliert er sich an das Studium der Steine, läßt Familie, Beruf und Kinder hinter sich, sucht nach dem Ewigen hinter der Vergänglichkeit. Erst als sein jüngerer Sohn sich für die Forschungen des Vaters zu interessieren beginnt, scheint ein Ausweg möglich. Läßt sich der Bann endlich brechen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.09.2000

Irmela Hihjiya-Kirschnereit beschäftigt sich vor allem mit der Frage, welch unterschiedliche Leseerfahrungen und -erwartungen deutsche und japanische Leser haben - eine Frage, die, wie sie betont, unabhängig ist von der Qualität der Übersetzung. Deutsche Leser, so ist ihre Vermutung, dürften eher die Frage, wie sich das `Gedächtnis der Steine` zum "Gedächtnis der Menschen" verhält, interessant finden. Während japanische Leser hier vielmehr eine "ausgefeilte Story zum Thema Steine" sehen oder auch den "Versuch, die Geschichte der Menschen mit der des Alls in Einklang zu bringen". Insgesamt hat der Roman die Rezensentin jedoch offenbar nicht ganz überzeugt. Zuviel Horror und "Mystery-Elemente" für ihren Geschmack. Typisch für die japanische Literatur über den Krieg ist in ihren Augen die Konzentration auf die Gräuel in der eigenen Armee, die sich jedoch wenig mit der Frage der Schuld gegenüber anderen Völkern beschäftigt. Moralische oder politische Aspekte spielen hier kaum eine Rolle, bedauert die Rezensentin. Stattdessen macht sie bei Okuizumi eine Tendenz aus, "Natur- und Menschengeschichte nahtlos" ineinander fließen zu lassen - was sie recht typisch für die neuere japanische Literatur findet.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2000

Okuizimi ist ein christlich geprägter Autor, erklärt Rezensent Lutker Lütkehaus, der hier eine "sehr japanische Geschichte" erzählt. Es geht um ein am Ende des zweiten Weltkriegs erlittenes "Höhlentrauma", das die Hauptfigur nicht mehr los lässt, so wenig wie die Geschichte vom "Leben der Steine". Lütkehaus sieht in der verdichteten Form der Erzählung eine Nähe zur europäischen Novelle und fühlt sich an die Romantik, kurzzeitig auch an Stifter erinnert. Irgendwann nimmt alles aber eine "immer wahnwitzigere Wendung" und es folgen Mord, "Psychodrama" und zuletzt doch noch die Erlösung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.05.2000

"Fast eine Novelle" nennt Ludger Lütkehaus diesen japanischen Kurzroman, der mit dem höchsten Literaturpreis des Landes bedacht ist. Und auch sonst sieht er literarische Bezüge zur deutschen Tradition der Romantik: "Das Gedächtnis der Steine" weist laut Lütkehaus Berührungspunkte mit Stifter, E.T.A. Hoffmann und Tieck auf. Die Steine als Gedächtnis der Menschheit stehen letztlich erlösend der traumatischen Erfahrung eines japanischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg gegenüber. Dieser verfällt später dem Steinesammeln, während seine menschlichen Beziehungen alle versteinern, bis auf die zu seinem Sohn, der unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt. Nicht die Auflösung dieser Geschichte, sondern die Gestaltung des "Psychodramas einer lebenslangen Traumatisierung" sei das Besondere an diesem "bemerkenswerten Text", so Lütkehaus.
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