Hermann Stresau

Als lebe man nur unter Vorbehalt

Tagebücher aus den Kriegsjahren 1939-1945
Cover: Als lebe man nur unter Vorbehalt
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2021
ISBN 9783608984729
Gebunden, 592 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Vom Alltag während des Krieges inmitten der Diktatur handelt der zweite Band von Hermann Stresaus Tagebuchaufzeichnungen "Von den Nazis trennt mich eine Welt", die 1939 mit dem Überfall auf Polen beginnen und im April 1945 mit dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Göttingen enden. Mit Kriegsbeginn verlegt Stresau seinen Wohnort nach Göttingen. Dort versucht er, abgeschnitten von den Nachrichten der Welt, aus den anhaltenden Jubelmeldungen der Nazis zu extrahieren, wie es wirklich steht. Dass in der deutschen Bevölkerung mit der Niederlage in Stalingrad und der zunehmenden Bombadierung ihrer Großstädte die anfängliche Siegesgewissheit in Mutlosigkeit umschlägt, kann aber auch die Propaganda nicht verdecken. Die Deportation der Juden ist für Stresau früh Gewissheit und hinter vorgehaltener Hand werden unter Gleichgesinnten zudem andere Kriegsverbrechen kolportiert.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.12.2021

Rezensent Knud von Harbou liest die von Peter Graf und Ulrich Faure herausgegebenen Tagebücher von Hermann Stresau mit großem Interesse. Als Aufzeichnungen eines konservativen Intellektuellen, der die NS-Herrschaft betrachtet und reflektiert, sind die Bücher für Harbou spannend, da sie widersprüchlich bleiben und bestenfalls eine Entwicklung nachzeichnen. Wie der Autor 1933 auf die NS-Propaganda noch ambivalent reagiert, letztlich aber Außenseiter bleibt, der die Einschränkung seiner Spielräume konstatiert und sich der Macht verweigert, kann der Leser laut Rezensent gut nachvollziehen. Wie sich der NS-Apparat auf den Einzelnen auswirkte, notiert Stresau mitunter "spröde", dann wieder in "starken Bildern", schreibt Harbou.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.11.2021

Rezensent Stephan Speicher lässt sich von Hermann Stresau die Schwächen der Deutschen im Nationalsozialismus auseinandersetzen. Die in seinen Tagebüchern festgehaltenen Analysen des Essayisten und Romanciers bieten Speicher einen Einblick in die Gemütslage einer Nation, die lieber Kammermusik hört als sich mit der Nazi-Politik zu befassen, weil letztere weniger wirklich erscheint. Stresaus Unbefangenheit und Verachtung für das Regime, aber auch sein Wissen um den Holocaust verblüffen den Rezensenten. Wie der Autor seine Beobachtungen mit Kulturgeschichtlichem verbindet, etwa wenn er das "Dritte Reich" als Folge der Säkularisierung deutet, scheint ihm interessant.

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