Thema des neuen Buchs von Hermann Lübbe sind Philosophien als wirksames Element des öffentlichen kulturellen und politischen Lebens in Deutschland von Wilhelm von Humboldts Museumsphilosophie bis zu den "idealistischen" Motiven der Ermordung des Dichters Kotzebue durch einen progressiven Theologiestudenten in nach-napoleonischer Zeit. Wieso vermochte im deutschen Kaiserreich der philosophische und kulturpolitische Streit um den Darwinismus für mehrere Plenarsitzungen das Preußische Abgeordnetenhaus zu beschäftigen? Was hat in der Weimarer Republik die kulturkritischen Exaltationen Oswald Spenglers publizistisch singulär erfolgreich sein lassen? Auch die Geschichte der zweiten deutschen Demokratie lässt sich eindrucksvoll in repräsentativen Philosophien spiegeln, so in der affirmativ wirkenden Geisteswissenschaftstheorie Joachim Ritters einerseits und in den antikapitalistisch motivierten Dauervorbehalten der Kritischen Theorie andererseits.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2006
Einen "repräsentativen Querschnitt" aus dem Lebenswerk des Philosophen Hermann Lübbe erblickt Rezensent Jan-Werner Müller in diesem Sammelband, der zum achtzigsten Geburtstag des Autors erschienen ist. Bemerkenswert scheint Müller der intellektuelle Eklektizismus Lübbes, der sich als entschieden liberaler politischer Denker die unterschiedlichsten Geistestraditionen originell aneignet. Müller interessiert vor allem Lübbes souveräne Art, ohne Scheuklappen auch Theoreme nutzbar zu machen, die auf den ersten Blick nicht in das eigene liberale Weltbild passen. In diesem Zusammenhang nennt er Lübbes Versuch, den Staatsrechtler Carl Schmitt "liberal zu rezipieren" und den Dezisionismus für einen wehrhaften Liberalismus verwertbar zu machen.
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