Hermann Kurzke, Jacques Wirion

Unglaubensgespräch

Vom Nutzen und Nachteil der Religion für das Leben
Cover: Unglaubensgespräch
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406534874
Gebunden, 272 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Wozu nützt Religion? Sie hilft gegen Zufall, Leid und Tod, sagt der eine. Illusion! sagt der andere. Was ist intellektuell noch erlaubt, wenn man die Religionskritik ernst nimmt? Religion ist Opium, das mag sein - aber ist das Leben ohne Opium zu ertragen, sind nicht auch Musik und Fernsehen Opium? Ist heroischer Nihilismus angesagt, oder darf es ein postmodernes Christentum geben, das nur noch nach dem Trost, nicht mehr nach der Wahrheit fragt? Ist Christentum dann ein bloßes Therapeutikum, ein intellektuelles Sofa, auf dem sich die Denkfaulheit ausruht? Oder ist Christsein im Gegenteil ungesund? Erzeugt die christliche Nächstenliebe Neurosen? Oder ist sie letzten Endes sogar eine subtile Form von Egoismus? Kann man den Trost der Religion gewinnen, ohne sich selbst zu betrügen? Gibt es Frömmigkeit ohne Glauben?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.11.2005

Erfreut zeigt sich Rezensent Alexander Kissler über diesen Briefband von Hermann Kurzke und Jacques Wirion, zumal er hier die Kunst des Briefeschreibens wieder aufleben sieht, die er eher in bereits verblichenen Jahrhunderten verortet. Die Korrespondenz über Fragen des Glaubens, die die beiden Germanisten, der Mainzer Katholik Kurzke und der Luxemburger Atheist Wirion, vom Januar 2001 bis November 2004 führten und nun unter dem Titel "Unglaubensgespräche" veröffentlichten, würdigt Kissler als "munteren, stellenweise klugen Dialog". Er schwärmt vom "Gedankenfeuer" und den "Ekstasen der Subjektivität", die aus den Briefen sprechen. "Besonders erfrischend" findet er die Korrespondenz, wenn die Argumente in rascher Folge wechseln. Er berichtet, dass dieser Briefwechsel - Auslöser war eine Rezension Kurzkes, in der sich dieser über flapsige Bibel-Einführungen mokiert hatte - aus Fremden Freunde machte, auch wenn weder der Gläubige den Atheisten noch der Atheist den Gläubigen zu bekehren vermag. "Gewachsen sind sie beide am Widerstand des Gegenübers", resümiert der Rezensent, "das Brief um Brief vom Counterpart zum Nächsten heranwuchs".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2005

Die Religion im Zeitalter der Moderne aus philosophischer Sicht beschäftigt Hermann Kurzke und Jacques Wirion in diesem Briefwechsel, der über vier Jahre geführt wurde. Für Antje Schrupp zeigt die Diskussion zwischen dem Christen und dem Atheisten abgesehen vom "Ringen" zweier bürgerlicher Gelehrter um die Berechtigung von Religion auch die Entstehung einer "schönen Männerfreundschaft", in deren Verlauf die Frage, wer recht hat, immer unbedeutender wird. Aber zurück zum Problem. Kurzke versucht die Religion angesichts des Schwindens der Glaubensgewissheit mit ihren nützlichen Aspekten wie der Bereitstellung von Sinn und Trost zu legitimieren. Wirion zeiht ihn der Feigheit und plädiert dafür, Sinnlosigkeit und Zufall zu akzeptieren. Aus dem drohenden Patt führt Kurzke heraus, indem er Sinn und Trost als kulturelle Errungenschaften des Menschen versteht, die nicht unbedingt metaphysisch existieren müssten. Aber jeder könne für sich entscheiden, ob er mit ihnen oder ohne sie leben möchte.
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