Wie in einem Puzzle fügen sich die insgesamt 81 Artikel dieses Lexikons zum Gesamtbild einer ganzen Epoche zusammen. In einem breiten Themenspektrum werden sowohl kunst- und literaturgeschichtliche als auch sozial- und kulturgeschichtliche Aspekte der Renaissance beschrieben. Längere Überblicksartikel wie etwa zu Humanismus, Malerei oder Entdeckung und Eroberung, die größere Themenfelder erschließen, werden ergänzt durch kürzere, zum Beispiel biographische, die Portraits der wichtigsten Personen, wie Michelangelo oder Shakespeare, entwerfen. Der Blick richtet sich sowohl auf die Selbstthematisierung der Epoche in Begriffen wie "uomo universale" als auch auf Phänomene, die nur am Rande die Renaissance berühren, wie zum Beispiel der Bauernkrieg.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2001
140 Jahre ist es her, stellt Harm Klueting fest, dass Jacob Burckhardt seine epochale "Kultur der Renaissance in Italien" vorgelegt hat. Seither habe sich das Renaissance-Bild gewandelt, so behaupteten die beiden Herausgeber des angezeigten Lexikons in ihrem Vorwort. Man betone heutzutage nicht mehr so sehr den Bruch gegenüber dem Mittelalter, sondern vielmehr die geschichtliche Kontinuität. Das aber, referiert Klueting die Autoren, berge die Gefahr der Konturenverwischung, zumal die Mentalitätenforschung die Renaissance nur noch als Elitephänomen gelten lasse. Das von den Autoren - einem Politikwissenschaftler und einer Literaturwissenschaftlerin - in Stichworten gezeichnete Profil der Renaissance sieht Klueting insgesamt als gelungen und eigenständig an. Der Schwerpunkt liege auf Italien, bei der Rezeption stehe Deutschland im Mittelpunkt. Schade, so Klueting, dass das Buch, obwohl es die Kunstgeschichte miteinbezieht, auf Abbildungen verzichtet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.12.2000
Die Entscheidung des Autorenduos gegen eine geschlossene Gesamtdarstellung und für ein Lexikon hält Marion Lühe für sinnvoll. Die offene Form ermögliche es, neben dem für die Renaissance Typischen ebenso weiterreichende Entwicklungen zu berücksichtigen, die auf diese Epoche "nur" untergründig gewirkt hätten. Lühe bringt eine Reihe von Beispielen, Beiträge in denen die offenzulegende Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen besonders deutlich wird. Bei aller Verkürzung, die der lexikalische Artikel mit sich bringe, schreibt sie, werde das Ziel der Arbeit erreicht: der tiefsitzenden Vorstellung von der Renaissance als einem isolierten Kulturwunder ein differenzierteres, wie Lühe betont, neben den Künsten auch wirtschafts-, sozial- und technikhistorische Aspekte einbeziehendes Bild entgegenzusetzen.
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