Bis zum Mauerbau 1961 verließen jährlich Hunderttausende von Menschen die SBZ und DDR in Richtung Westen. Vorliegendes Buch zeigt, dass die Machthaber in Ostberlin dieses Problem erst Anfang der 1950er Jahre ernst nahmen. Die Erfolglosigkeit fast aller Maßnahmen gegen die Republikflucht basierte auf der in der DDR weit verbreiteten Unzufriedenheit mit der politischen Lage im Land. Viele Menschen nutzten die offene Grenze, um politischen, persönlichen, familiären und wirtschaftlichen Problemen durch den Ortswechsel weitgehend konfliktlos zu entfliehen. Ein ausführlicher Dokumententeil gibt Auskunft über Zu- und Abwanderungszahlen, Gesetze, Grenzsicherung und -kontrollen; Artikel aus ostdeutschen Zeitungen und Zeitschriften dokumentieren die Abwanderungsmotive aus Sicht der DDR und SED, Abschiedsbriefe und private Briefe geben ein beredtes Zeugnis für die Fluchtgründe der persönlich Betroffenen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.06.2007
Drei Millionen Menschen sollen bis 1961 die SBZ und die DDR verlassen haben. Jochen Staadt lernt aus der von Damian van Melis und Henrik Bispinck herausgegebenen Studie nicht nur den erstaunlichen Umfang der Republikflucht vor dem Mauerbau, sondern vor allem die "Realitätsferne" der DDR-Funktionäre, die die Abwanderung der Intelligenz erst nach und nach als Problem erkannten. Die im Anhang wiedergegebenen Dokumente veranschaulichen das für den Rezensenten auf "profunde" Weise. Auch sonst scheint der Rezensent zufrieden. Er hat in diesem Band offenbar das gefunden, was er sich versprochen hat.
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