Henning Mankell

Der Feind im Schatten

Roman
Cover: Der Feind im Schatten
Zsolnay Verlag, Wien 2010
ISBN 9783552054967
Gebunden, 624 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt. Dieser neue Wallander-Thriller führt direkt in den Kalten Krieg und in die schwedische Nachkriegsgeschichte. Hakan von Enke, ehemaliger U-Boot-Kommandant und zukünftiger Schwiegervater von Wallanders Tochter Linda, gewährt dem Kommissar brisante Einblicke in eine politische Affäre: Fremde U-Boote drangen in den achtziger Jahren mehrfach in schwedische Hoheitsgewässer ein, wurden aber nie identifiziert. Von Enke hat dazu jahrelang recherchiert und glaubt sich einer Lösung nahe. Doch dann verschwindet er spurlos, und als kurz darauf auch noch Enkes Ehefrau als vermisst gilt, steckt Wallander bereits mitten in den Ermittlungen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.05.2010

Finster, dieser Wallander-Krimi. Hier geht es nicht nur um die Auflösung eines Kriminalfalls, schreibt Rezensentin Susanne Mayer. Auch Kommissar Wallander ist in einer schweren Krise: das Alter droht und danach - Tod. Und dass, wo Wallander offenbar noch ziemlich wenig gelebt hat. Die Rezensentin zählt jedenfalls eine Reihe von Beziehungen auf, die entweder zerbrachen oder gar nicht erst zustande kamen. Auch Angst vor dem irrsinnig werden treibt Wallander um. Diese privaten Sorgen sind verknüpft mit dem Fall um ein U-Boot, dass vor Stockholm spionieren soll und Ereignissen aus der Zeit des Kalten Krieges. Die Rezensentin scheint beeindruckt zu sein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2010

Martin Halter hat keinen Zweifel: Dieser Kommissar bleibt. Und lässt Henning Mankell seine Figur in diesem letzte Wallander-Band auch an Alzheimer erkranken, solange der alte Schwede noch "kraftvoll und nackt auf den Hof pissen" kann, ist er nicht tot. Wie schön. Denkt sich Halter und schaut dem Alten Muffelkopf noch einmal bei der langsamen Verfertigung der Gedanken (und Selbstzweifel) beim Schweigen zu, wie er in diesem letzten Fall noch einmal zur Hochform aufläuft und noch einmal die 68er-Überzeugungen seines Schöpfers, den sozialkritischen Gestus des Schwedenkrimis verkörpert, wenn es jetzt probehalber zurückgeht in die Zeiten des Kalten Krieges. Die vielen Schwächen des Kommissars erneut bewundernd, weiß Halter: Die Trauer über diesen Abgang wird erheblich sein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.04.2010

Sylvia Staude ist beruhigt: Als Pensionist wird's Kurt Wallander richtig gut haben. Dass Henning Mankell seiner mürrischen Figur für die alten Tage (und nach diesem letzten gelösten Fall) ein Haus auf dem Land hinstellt, freut sie ungemein. Nicht so schlimm, wenn dieser zehnte Wallander-Krimi mit seiner Geschichte um russische U-Boote und einen verschwundenen Seemann eher "unglaubwürdig" daherkommt, findet sie. Solange Wallander da steht, wo er immer stand, links von der Mitte nämlich, auf Seiten der Schwachen und der Wahrheit, gönnt sie ihm den Alterssitz von Herzen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.04.2010

Rezensentin Katharina Granzin ist im Großen und Ganzen zufrieden damit, wie Henning Mankell seinen altgedienten Wallander ein für alle Mal abtreten lässt. Sie nutzt den Anlass, noch einmal herauszuarbeiten, worin sich diese höchst erfolgreiche literarische Figur von seinen Kommissarskollegen unterscheidet - und was sie über ihren Schöpfer verrät. Hinter Mankells "literarischer Konstruktion" und dem "diffusen Kulturpessimismus" seiner Figur vermutet sie tatsächlich eine "reaktionäre Grundprämisse". Das ändert jedoch nichts daran, dass Mankell eine sehr lebendige Figur gelungen ist, eine, die auf "ziemlich unnachahmliche Art und Weise echt" wirkt. Eine Besonderheit dieses letzten Wallander-Romans ist Granzins Meinung nach, dass die bewusste "Retardierung der Handlung" hier "besonders augenfällig" ist, dass das Leben der Hauptfigur wichtiger ist als das "Vorantreiben des kriminalistischen Plots."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.04.2010

Thomas Steinfeld weint zwar keine Träne, an den vielen Gründen für die Beliebtheit von Henning Mankells Wallander-Romanen, die er zu nennen weiß, lässt sich aber ganz gut ablesen, wie sehr ihm der weiche Ermittler aus Ystad fehlen wird. Mit Maigret vergleicht er ihn sogar, mit Sam Spade. Der letzte Wallander nun wartet mit dem gewohnten Überschäumen der kriminellen Fantasie auf, wie Steinfeld es nennt, einer der Gründe für Mankells Erfolg. Und dies wiederum in der Provinz, worin unser Rezensent einen weiteren Grund erkennt: Mit der Beschwörung globaler Konspirationen (in diesem Buch geht es um die Neutralität Schwedens), so Steinfeld, brachte Mankell die Heimatliteratur auf den letzten Stand der Globalisierung. Wenn Wallander nun seine sämtlichen Fälle, Frauen und Gefahren Revue passieren lässt und der Autor all seine Motive noch einmal aufleuchten lässt, gönnt Steinfeld dem Autor und seiner Figur den wohlverdienten Ausstand.
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