Henning Mankell

Der Chinese

Roman
Cover: Der Chinese
Zsolnay Verlag, Wien 2008
ISBN 9783552054363
Gebunden, 603 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Wolfgang Butt. An einem frostigen Januartag 2006 macht die Polizei von Hudiksvall eine grausige Entdeckung. In einem kleinen Dorf ist ein Massaker begangen worden, achtzehn Menschen wurden auf bestialische Weise getötet. Die Polizei vermutet die Tat eines Wahnsinnigen. Als Richterin Birgitta Roslin von der Tat liest, wird ihr sofort klar, dass ihre Adoptiveltern August und Britta Andren unter den Mordopfern sind. Und mehr noch: So gut wie alle Ermordeten haben etwas mit ihr zu tun. Sie erkennt, dass die Polizei eine falsche Spur verfolgt, und beginnt zu recherchieren. Ihre Suche führt sie nach China, wo sie auf die grausamen Machenschaften der politischen Führungselite stößt. "Der Chinese" ist nicht nur ein Thriller, sondern erzählt auch davon, was passiert, wenn ein Land zur wirtschaftlichen Supermacht wird, während im Inneren ein System politischer Unterdrückung herrscht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2008

In recht deutliche Worte fasst Mark Siemons seine Ablehnung von Henning Mankells "Der Chinese": Als Krimi oder Polit-Thriller könne er das weitgehend wenig originelle Buch nicht bezeichnen, dazu ging ihm in diesem "Gefühlte-Geschichte-mit-aktuellen-Auswirkungen-Roman" die Handlung zu schleppend voran. Mit den "aktuellen Auswirkungen" meint der Rezensent die Morde, die ein psychopathischer Chinese an Schweden begeht, um sich für das Unrecht, das seine Vorfahren vor 150 Jahren durch Schweden erlitten haben, zu rächen. Der (einzige) Vorzug des Romans besteht für den Kritiker darin, dass er die chinesisch-europäische Beziehung im 19. Jahrhundert eingängig thematisiert und dadurch Fragen aufwirft. Aber diese pädagogische Absicht sieht Mark Siemons durch den surrealen "Mief" und die eindimensionale Darstellung der Chinesen desavouiert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.06.2008

Mit diesem Buch geht Henning Mankell endgültig zu weit. Findet Martin Bauer, Mitarbeiter am Hamburger Institut für Sozialforschung. Im Aufmacher des Feuilletons geht der Rezensent wenig auf die Konstruktion und Sprache des Thrillers ein, sondern nutzt die Besprechung, um Mankells Weltbild einmal näher unter die Lupe zu nehmen. Und er kann darin nichts anderes erkennen als einen "weichgespülten Maoismus". In der Prinzipienkluft zweier Figuren, der Beamtin und Klassenkämpferin Hong Qui und ihrem Bruder, dem Großindustriellen Ya Ru, sieht der Rezensent eine Mankell'sche "Aktualisierung von Ideen Mao-Tse-Tungs", die ihm geradezu "unheimlich" vorkommt. Abgestoßen ist Bauer von Mankells Versuch, dem beklagten ewigen "Egoismus der Individuen" den absoluten Führungsanspruch des Staates ("dem kältesten Ungeheuer der Moderne") entgegensetzen.
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