Berlin Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783827015327 Gebunden, 304 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Treibt da ein Gott sein magisches Spiel in der hyperventilierenden Berliner Gegenwart? Mitten im Backgammon-Spiel stirbt in einer Berliner Kneipe ein Mann auf unerklärliche Weise. Die Sache wird dennoch schnell zu den Akten gelegt. Kommissarin Lucia Lill beschließt, weiter zu ermitteln. Ihr vielversprechendster Zeuge ist ein alter Mann namens Enki - seinen Nachnamen nennt er nicht. Er wirkt kauzig, doch hilfsbereit. Rätselhafte Dinge geschehen, von denen auch Yvonne Gispritz, die als Poison Ivy berüchtigte Boulevardjournalistin, Wind bekommt. Lucia ist bald mit den Nerven am Ende. Droht sie, verrückt zu werden, oder wird die Begegnung mit Enki zu einer der besonderen Art?
Rezensent Michael Eggers gibt sich gerne diesem komplexen Roman des Vielschreibers und Musikers hin. Der Text ist nach einer Wimmelbild-Logik angeordnet und teilt sich in viele kleine Abschnitte und Figuren, die nach und nach auf bereits etablierte Charaktere treffen. Dadurch ergebe sich schließlich ein dichtes narratives Netz: Eine Art "grotesken Krimi" hat Eggers vor sich, wenn einem Backgammon-Spieler mitten in der Partie der Kopf explodiert - Komissarin Lucia Lill ermittelt und trifft dabei auf Enki, einen mysteriösen Mann, der sie fasziniert. Generell stelle die Liebe mit all ihren Abgründen und Höhen das zentrale Motiv dieses ausschweifenden Textes dar, der sich in der Anordnung seiner vielen Schnipsel auch zu einem Berlin-Panorama weite, in dem die Stadt selbst manchmal das Geschehen lenke. Auch wenn die Figuren meist keine Kontrolle über ihre Handlungen zu haben scheinen, so werden sie laut dem Rezensenten von den großen Emotionen verbunden, was Eggers dazu bewegt, diesen eindrücklichen Text wie "eine Komposition" aufzunehmen und mehr auf die Gefühle als auf eine etwaige Sinnhaftigkeit zu achten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.04.2026
Rezensentin Andrea Gerk ist begeistert von Helmut Kraussers neuem Roman, der wieder einmal so "eigenwillig" wie "unterhaltsam" und doch tiefgründig gerate: Es geht, aufgehängt an einem dann gar nicht so wichtigen Kriminalfall, um rätselhafte und weniger rätselhafte Ereignisse im Großstadtalltag Berlins; um einen durch eine "zutiefst männliche" innere Stimme verursachten Selbstmord, einen zerspringenden Schädel, einen auf Fotos unsichtbaren und immer jünger werdenden Kneipenstammgast, um Posaunenkonzerte in Abwassertunneln. Wie Krausser in gewohnt spannender Manier diese verschiedenen Facetten verknüpft, ein "herrlich verspieltes" und dabei doch anspruchsvolles "Bewusstseinspanorama" entwirft, das nach den Ebenen der Wahrnehmung fragt und auch die Stadt Berlin als "pulsierenden Organismus" zur Hauptfigur macht, findet die Kritikerin beeindruckend. Durchzogen werde das Erzählte dabei von musikalischen Querverweisen des Autors, Musikers und Komponisten, etwa auf Strauss oder Schubert, lobt Gerk. Trotzdem alles andere als ein betont intellektueller Roman, sondern ein "großes Lesevergnügen", schließt Gerk mit Ausrufezeichen.
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