Helmut Brandstätter wagt einen Blick hinter die Kulisse der Macht in Österreich. Das Enthüllungs-Video um Vizekanzler Heinz-Christian Strache auf Ibiza, das zu seiner sowie Innenminister Herbert Kickls anschließender Entlassung führte, rückte die österreichische Politik in den Fokus der Medien. Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache wollten zwei Legislaturperioden gemeinsam regieren. Und "nicht streiten". Dabei war von Anfang an klar, dass die FPÖ den Staat von Grund auf verändern und Kurz vor allem formal an der Macht sein wollte. Herbert Kickl wollte dabei unbedingt Innenminister werden, um aus der Republik Österreich einen autoritären Staat zu machen. Und Sebastian Kurz und seine ÖVP schauten so lange zu, bis sie sich selbst von Kickl bedroht fühlten. Das Ibiza-Video war eine willkommene Gelegenheit, den Innenminister seines Amtes zu entheben. Umso erstaunlicher, dass Kurz offenbar nach der Nationalratswahl (29.9.2019) wieder mit der FPÖ regieren will. Für die neuerliche Macht würde er ignorieren, dass diese Partei mit ihrer Geschichte und vielen ihrer Funktionäre nicht in der Gegenwart angekommen ist. "Kurz & Kickl" erklärt, wie die FPÖ weiter einen autoritären Staat aufbauen will. Das Ibiza-Video hat bereits gezeigt, was der Plan der FPÖ ist: Nach dem Vorbild Viktor Orbáns soll ein Land wie Ungarn geformt werden, mit einer korrupten Führung ohne Respekt für die Bevölkerung und Medien, die Oligarchen gehören.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.09.2019
Rezensent Stephan Löwenstein vermutet tiefe Verachtung als Motor des Buches von Helmut Brandstätter. Dass der ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz ein Mann ohne Prinzipien und Bildung ist, wie der Autor suggeriert, hält der Rezensent für Polemik. Sehr weit führt es jedenfalls nicht, findet Löwenstein, wenn der Autor den FPÖ-Politiker Herbert Kickl als Kopf und Sebastian Kurz als machtgierigen Schwanz der Regierung darstellt. Wissenswertes findet er in dem Buch aber dennoch, etwa über den Druck der Kurz-Leute auf die Medien. Dass Brandstätter nur aus eigenen Artikeln zitiert, scheint Löwenstein etwas dünn.
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