Helga Schütz

Knietief im Paradies

Roman
Cover: Knietief im Paradies
Aufbau Verlag, Berlin 2005
ISBN 9783351030315
Gebunden, 176 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Es war ein Wunder, dass Eli die Dresdner Bombennacht überlebte. Seitdem fühlt sie sich sicher, nicht wahrnehmbar, nicht fassbar. Wie ein perfekter Schatten, unerkannt und unbeachtet, zieht die gestiefelte Gärtnerin ihren Karren durch die Stadt: mit festem Schritt und brennender Seele, im Herzen die große Sehnsucht nach einem Menschen, für den sie wichtig ist. Eli übt das Unsichtbarsein, denn sie will retten, helfen. Besonders den beiden Männern, die sie auf ihre Weise liebt, heimlich und ungeschickt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.2005

Rezensentin Sabine Brandt hat diesen Roman offenbar gern gelesen, der die Geschichte eines halbwüchsigen Mädchens im Dresden der frühen Nachkriegsjahre erzählt. Nicht ganz unproblematisch findet Brandt Helga Schütz' Entscheidung, die Geschichte als Ich-Erzählung des Mädchens zu schreiben, aber da sie die Heldin Eli "so lieb, so gescheit und in ihrer Verlassenheit so tapfer" findet, fügt sie sich gern ihrer eingeengten Weltsicht. Nur von ihren allzu häufigen Fachsimpeleien zeigt sich die Rezensentin ein wenig genervt. Doch alles in allem findet sie diese Geschichte doch sehr ergreifend, die zeige, in welch "unsagbar schmerzliche Einsamkeit" die deustche Kriegs- und Nachkriegspolitik stürzen konnte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2005

"Glaubhaft und nachvollziehbar" erzählt Helga Schütz über das kleine Leben in der DDR, berichtet Joachim V. Hildebrandt, der hier die damalige Atmosphäre "haargenau" wieder zu finden glaubt. Die Waise Eli wächst in der sowjetisch besetzten Zone auf und wird Gärtnerin, um mit der Schönheit der Blumen über die graue Gegenwart hinwegzutäuschen. Schütz schildert den Alltag nach dem Krieg, die Lügen und die Verstecke, die sie sich eingerichtet hatte. Dass sie dabei nicht in einen "klagenden Ton" verfällt, spricht nach Meinung Hildebrandts für die Autorin, die so "zaghaft" und "brüchig" und "mit einer Empfindsamkeit" erzählt, die zeige, wie "ihre Protagonistin oder sie selber" von der Diktatur verschont geblieben sind. Auch hier findet sich Schütz' Leitmotiv wieder. Vor dem Hintergrund der Weltgeschichte richten sich die Menschen im Häusliche ein, das "gärtnernde Sichverstecken" dient dafür, unauffällig zu bleiben.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.02.2005

Es sei eine Kunst, wie es Helga Schütz schaffe, einen Roman um die Bombardierung Dresdens herum anzulegen und dabei stets leise und dezent zu bleiben, meint Jörg Magenau. Die autobiografhisch gefärbte Geschichte drehe sich um das Leben eines Mädchens, das durch dieses Ereignis in ein Vorher und ein Nachher zerschnitten werde. Die Geschichte, ob in den Kriegsjahren oder in den Anfängen der DDR, sei dabei immer sichtbar, werde aber nie explizit in den Vordergrund gerückt, sondern quasi en passant als Hintergrund des Lebens der Protagonistin erzählt. Die Autorin enthalte sich dabei dankenswerterweise aller "ideologischen Verklemmtheiten", verfalle nie in Ost-West-Gejammer oder Opfer-Selbstmitleid, was ihren Roman zu einem "leisen, poetischen Auftakt zum Gedenkmarathon des Jahres 2005" mache.