Heinz Strunk

Fleckenteufel

Roman
Cover: Fleckenteufel
Rowohlt Verlag, Reinbek 2009
ISBN 9783499252242
Kartoniert, 224 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Deep in my heart, I do believe, we shall overcome some day. Ich atme tief ein. Meer, Holz, Salz, Mücken, verbranntes Stockbrot. Mein Arsch brennt wie das Osterfeuer, aber plötzlich laufen mir Tränen über das Gesicht: Ich spüre, dass ich so etwas wahrscheinlich nie wieder erleben werde. Wenn ich irgendwann einmal erwachsen bin, wird sich mein Herz verschließen und ich werde mich mit der Erinnerung an die paar glücklichen Momente von Kindheit und Jugend begnügen müssen. Ich weiß, dass ich Recht habe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.02.2009

Christopher Schmidt setzt sich zunächst lang und breit und genervt mit der PR-Maschinerie auseinander, die das Buch in Aufmachung und Vorstellung durch den Autor Heinz Strunk alias Mathias Halfpape in die Nähe von Charlotte Roches Skandal-Bestseller "Feuchtgebiete" zu rücken sucht. Bei näherem Hinsehen aber entpuppt sich die Geschichte um den unter Verstopfung und sexuellen Nöten leidenden Thorsten Bruhn, der im Ferienlager ein bisschen erwachsener werden soll, aber doch nur als Geschichte über das "ganz normale Krisengebiet der Pubertät", stellt der Rezensent fest. Immerhin gelinge es dem Autor mit seinem beißenden Humor, die Atmosphäre der 70er Jahre in der spießigen BRD einzufangen, räumt der Rezensent ein. Nicht Strunks Fixierung an Körperöffnungen und ihren Erzeugnissen stört Schmidt so enorm an diesem Roman, es ist die Dieter-Bohlen-hafte "hammermäßige Kiez-Eloquenz", die stets nur auf die Pointe zielt und dabei kaum je Authentizität erzeugt, über die sich der Rezensent beschwert.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.01.2009

Julian Weber ist begeistert. Die subkulturferne Tristesse einer Jugend, die der Autor möglicherweise selbst durchlebt hat, findet er im neuen Buch von Heinz Strunk aufs Schönste dokumentiert. Doch das ist nicht alles. Strunk habe mit seiner Ferienlagergeschichte um den furzenden, pubertätsgeplagten Protagonisten die Flatulenz dem "kindischen Humor alter Säcke" entrissen und der Jugend zurückgegeben, meint Weber. Was sich für den Rezensenten mitunter wie ein Lautgedicht liest, entpuppt sich als den bildungsbürgerlichen Sprachkanon unterlaufendes Schwelgen in analfixierter Generalopposition anno 1977. Übrigens: Ähnlichkeiten des Buches mit Charlotte Roches "Feuchtgebiete" sind für Weber rein äußerlicher Natur. Weder als Feuilletonskandal noch als Bestseller kann er es sich vorstellen. Strunk, findet er, eignet sich nun mal besser als Spaßvogel denn als Feministin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2009

Ein merkwürdiges Eigenleben diagnostiziert Tobias Rüther dem neuen Roman von Heinz Strunk. Bis hin zur Farbe des Umschlags angelegt als satirische Replik auf Charlotte Roches "Feuchgebiete", taugt das Buch in Rüthers Augen nicht zur Bibel der Männeremanzipation. Als zu schamhaft bleibt der dauerfurzende Held auf Sommerfreizeit an der Ostsee dem Rezensenten im Gedächtnis. Die Penetranz der Körperbeschreibungen führt laut Rüther eben nicht, wie bei Roche, zur Befreiung, sondern nur immer tiefer in den Schlafsack hinein. Rüther sieht das Buch schließlich eher in der Nachbarschaft zu Roths "Portnoys Beschwerden". Möge auch der Mann eines Tages die Scham angesichts seines Körpers überwinden!
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