Heinz Helle

Eigentlich müssten wir tanzen

Roman
Cover: Eigentlich müssten wir tanzen
Suhrkamp Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783518424933
Gebunden, 173 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Eine Gruppe junger Männer verbringt ein Wochenende auf einer Berghütte. Als sie ins Tal zurückkehren, sind die Ortschaften verwüstet. Die Menschen sind tot oder geflohen, die Häuser und Geschäfte geplündert, die Autos ausgebrannt. Zu Fuß versuchen sie, sich in ihre Heimatstadt durchzuschlagen. Sie funktionieren, so gut sie können. Tagsüber streifen sie durch das zerstörte Land, nachts durch ihre Erinnerung. Auf der Suche nach einem Grund, am Leben zu bleiben. "Das ist waghalsig, mehr davon", forderte die FAZ nach Erscheinen von Heinz Helles Debütroman. Helle hat sich nicht lange bitten lassen und den Einsatz erhöht. Im neuen Roman geht es um die Frage: Reicht das Aufrechterhalten der wichtigsten Körperfunktionen, um von sich selbst sagen zu können, man sei am Leben? Die Antwort, die das Buch gibt, wird uns womöglich nicht trösten. Aber sie macht atemlos vor Spannung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2016

Rezensentin Alexandra von Arx gibt gern zu, dass Heinz Helle mit "Eigentlich müssen wir tanzen" kein literarisches Neuland betritt. Ähnlich wie Cormac McCarthy in seinem berühmten Roman "Die Straße" lässt er eine Gruppe Freunde durch eine postapokalyptische Landschaft ziehen, in der Mitleid und Menschlichkeit zusammen mit den Orten des Schweizer Unterlands in Flammen aufgegangen sind. Und doch war die Lektüre für die Rezensentin eine "aufwühlende Erfahrung", was sie vor allem auf die poetische Sprache zurückführt, mit der Helle, wie sie schreibt, Hoffnungslosigkeit, Kälte und Grausamkeit ganz sanft auf seine Leser niederfallen lasse.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.2015

Nicht ganz eindeutig fällt Christopher Schmidts Urteil über Heinz Helles Roman "Eigentlich müssten wir tanzen" aus. Denn der zweite Roman des Autors fesselt den Kritiker zwar durch die Schilderung eines finsteren Endzeitszenarios und zeigt anhand von fünf jungen und vordergründig normalen Männern eindringlich, wie sie sich angesichts einer apokalyptischen Katastrophe fanatisieren und aller zivilistischen Domestizierung entledigen. Aber der Rezensent muss trotz der nüchtern-schönen Sprachbilder leider feststellen, dass Helles Parabel über Verrohung derart minimalistisch wirkt, dass die Grenze zum dekorativen Kitsch bisweilen übertreten wird. Dennoch: Auch wenn das Buch knapp an "edelmorbider Endzeitbukolik" entlangschlittert, lobt Schmidt die "schmerzhaft-schöne Eleganz".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.10.2015

Zunächst einmal will Rezensentin Marie Schmidt in ihrer Besprechung einem Vorwurf vorbeugen: Dass Heinz Helle mit seiner Geschichte vom durch Menschenhand herbeigeführten Weltuntergang nichts Neues erzähle, lässt die Rezensentin nämlich nicht gelten. Ihr Argument: Apokalypsen sind derart erschütternd, dass sie "immer neu" sind, egal wie oft sie schon erzählt wurden. An Helles Roman gefällt Marie Schmidt ansonsten offenbar die pointierte Sprache am besten; der Autor beherrscht nach ihrer Einschätzung eine seltene, weil schwierige "Knappheit der Worte", die dem Leser einiges an eigener Denkarbeit abverlange. Das Kopfkino werde in Gang gesetzt, und gerade darin sieht die Kritikerin die große Qualität des Buches, dessen Spannung ihr beim Lesen mitunter gar den Atem raubte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2015

Christoph Schröder muss schlucken bei der Kälte, die das Untergangsszenario in Heinz Helles zweitem Roman entwickelt. Wie verhält sich der Mensch angesichts der Apokalypse, wenn auf einen Schlag alles anders, alles existenziell ist? Bei Helle gibt es schreckliche wie komische Szenen, meint Schröder. Dass der Autor den Blick nicht auf die Ursachen, sondern auf die unmittelbaren Folgen der Katastrophe richtet, den Überlebenskampf und die Verrohung, macht für Schröder den Reiz des Buches aus. Die analytische Sprache und die kurzen zupackend geschriebenen Szenen verstärken beim Rezensenten den Eindruck einer Versuchsanordnung. Für Schröder eine Dystopie mit Erkenntnisgewinn.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.09.2015

Die momentane geopolitische Lage wirkt sich sicher begünstigend aufs Endzeit-Genre aus, meint Rezensent Frank Schäfer. Dass Heinz Helle mit diesem Roman über eine Berghütten-Gruppe, die vom Gipfel aus das Ende der Zivilisation verfolgt und darüber selbst in Barbarei vefällt, allerdings sichtlich auf Literatur und weniger aufs Genre hinaus will, nimmt Schäfer dem Autor durchaus krumm. Zwar biete Helle einige "mit der Ästhetik des Horrors kokettierende Bilder", doch schlussendlich illustriere er damit die sattsam bekannte und nach Ansicht des Kritikers ohnehin überstrapazierte These vom raschen Rückfall des Menschen in die Barbarei nach Wegfall eines zivilisierenden Rahmens, eine Bewegung "vom Logos zum Mythos". Für glaubhaft dargeboten hält der Kritiker das alles jedoch nicht. Besser beraten sei man daher mit dem Roman "Die Straße", in dem Cormac McCarthy das Genre des Endzeithrillers nicht nur geglückt durcharbeite, literarisch gewinnbringend veredle und überdies auch zu einer differenzierteren Einschätzung des Menschen unter apokalyptischen Umstände gelange.
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