Angela Krauß

Wie weiter

Roman
Cover: Wie weiter
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518418246
Gebunden, 117 Seiten, 14,80 EUR

Klappentext

Sonntagmorgen. In den Weiten des Dschungels vor dem Fenster erwachen die Zootiere. Der Schlafgefährte liegt noch in seinen Männerträumen. Auf dem Boden tappt ihr Kastanorka entgegen, ein Elefant, der in eine Schachtel passt. Das Leben, die Liebe, die Zukunft. Wie weiter? Früher war es immer von allein weitergegangen, als Zukunft nur ein anderes Wort für Märchen gewesen war. Bis zum Revolutionsherbst 1989, als die Geschichte sich überschlug und alles Vorstellbare Vergangenheit wurde. Die Zukunft gehörte nicht dazu. Lässt sie sich berechnen? Kann man vorbereitet sein? "Mit jedem meiner Liebesmenschen führe ich ein anderes Leben, eins von den vielen, die noch in mir bereitliegen." - Leben als Zwiesprache mit "der weiten Welt ringsum, voller Tausendfüßler aller Art" und mit drei Liebesmenschen: mit Leo, dem damals, als es schon mal ganz falsch weitergegangen war, Amerika das Leben gerettet hat, mit Toma, der tatarischen Nomadin, die immer weiter gen Osten zieht, und mit dem Mann an ihrer Seite: "Eröffne ihm nur klar umrissene Ausschnitte deiner Sehnsucht. Halte das wahre Ausmaß deiner Erwartungen geheim. Es liegt jenseits seiner Möglichkeiten."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.11.2006

Ganz hingerissen zeigt sich Rezensentin Verena Auffermann von Angela Krauß' Prosastück "Wie weiter". Sie verortet die Autorin zwischen Liebe zur Literatur, poetischer Reflexion und politischem Engagement. Dementsprechend würdigt sie das Buch als gelungene Verbindung von "romantischer Skepsis und Poesie" mit "zeitscharfer Analyse". Die Ich-Erzählerin und die weiteren Protagonisten, ein nach New York emigrierter Jude, eine Nomadin aus der Steppe und ihr Schlafgefährte findet Auffermann klug mit den Themen Ost und West, Stadt und die Wüste, Vergangenheit und die Zukunft in Beziehung gesetzt. Dabei bescheinigt sie der Autorin, elementare Fragen über die Zeit, die Geschichte, die Liebe in "federleichten Sätzen" zu reflektieren und mit "schönster Heiterkeit" zu umkreisen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.10.2006

Als "sinnlichen literarischen Balanceakt" und "Etüde über die Liebe zum Lebendigen" beschreibt Rezensentin Katrin Hillgruber Angela Krauss' neuestes Buch. Doch so ganz glücklich ist sie damit nicht geworden. Zwar findet sie Krauss' Prosa "federleicht" und geprägt von der, aus ihrer Sicht für diese Autorin so charakteristischen, "syntaktischen Grazie". Auch die "animistischen Geschichten" um Tiere im Leipziger Zoo, auf den die Erzählerin aus ihrem Fenster schauen kann, sowie das Gedankenspiel mit einem Mann namens Roman und der gleichnamigen literarischen Gattung, entfaltet für sie seinen Reiz. Unnötig beschwert jedoch wird für sie die spielerische Leichtigkeit dieser Geschichte durch zuviel historischen Ballast. Da wanken, wie die Rezensentin ungehalten mitteilt, die Türme des World Trade Centers noch mal ihrer verhängnisvollen Zukunft entgegen, eine Figur gar birgt das "Utopiepotenzial der Sowjetunion" in sich. Hier gerät die Balance des Textes zum Bedauern der Rezensentin doch deutlich aus den Fugen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006

Angela Krauss' Erzählung verzückt den Rezensenten Martin Zingg so sehr, dass er beinahe den ganzen Text referiert, um schließlich hinter all den kleinen Erzählsträngen die "große, berührende Geschichte" auszumachen, die noch weit über die schmale Erzählung hinaus gehe. Zudem zeigt er sich beeindruckt von der in zuweilen "beschwörendem Ton" berichtenden Ich-Erzählerin mit ihren vier "Liebesmenschen", die ein Netz aus Geschichten spinne, das voller Querverweise und Selbstbezüge sei. Am besten gefallen hat Zingg dabei die Fülle einzelner Episoden und überlappender Situationen, die von der Autorin spielerisch konfrontiert und beiläufig reflektiert würden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2006

Andrea Neuhaus gibt sich zunächst ratlos. Sie kann nicht sagen, ob sie einen Roman, ein Gebet oder eine Reflektion gelesen hat. Der schmale Band kreist um Erinnerungen, Monologe und Freundschaften einer Frauenfigur, die auf der Suche nach einem Plan für die Zukunft ist. Diesen findet sie am besten in der Vergangenheit, die sie sich aus Teilen als Ganzes konstruiert. Im Grunde sei die Heldin eine Romantikerin, die sich nach "verlorener Einheit", reiner Substanz oder etwas anderem sehnt. Daher braucht sie auch nicht in die Ferne, die Beschwörungsformeln der Klage gehören bereits zur Selbstfindung. Die "elegante und geschmeidige" Prosa, die viel Platz für Gedanken lässt, imponiert der Rezensentin,die das Buch schlussendlich auch empfehlen kann, was auch immer es nun ist.
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