Hieronymus kannte das Römische Reich besser als die meisten seiner Zeitgenossen: Er lebte die erste Hälfte seines langen Lebens vorwiegend im Westen, die zweite Hälfte dann im Osten, wo er als Begründer und Vorsteher eines Klosters in Bethlehem großen Einfluss auf die Kirche gewonnen hat. Sein größtes Werk war die lateinische Übersetzung der Bibel, seine Theologie verbreitete er aber auch durch Briefe, Abhandlungen und Kommentare. Als Asket und Mönch hat er seine strenge christliche Morallehre selbst gelebt und sich als Theologe sehr polemisch mit häretischen Lehren auseinandergesetzt. Hoch gebildet auch in der heidnischen Literatur, fühlte sich Hieronymus als Christ und Römer; der sichtbare Verfall des Imperiums erschütterte ihn schwer. Heinrich Schlange-Schöningen beschreibt das Leben dieses einflussreichen Kirchenvaters und führt uns dabei auch das Nachwirken, vor allem in der Kunst, vor Augen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2018
Rezensent Hartmut Leppin erkundet mit dem Althistoriker Heinrich Schlange-Schöningen den Lebensweg des Hieronymus, seine Streitlustigkeit und seine Arbeitswut. Quellennah, feinsinnig und stilistisch gepflegt findet Leppin die Arbeit, was die schlechte Qualität der Abbildungen im Band für ihn umso ärgerlicher hervortreten lässt. Dass der Autor herrschende Meinungen hinterfragt, bedeutet für Leppin noch nicht, dass er einen ganz neuen Hieronymus zeichnet, vielmehr erhält der Rezensent eine auf der Basis souveräner Kenntnisse der Spätantike angelegte nuancierte Darstellung. Die ein oder andere theologische Differenzierung mehr besorgt sich Leppin bei Alfons Fürst. Die historische wie kunsthistorische Bildung des Autors findet er bemerkenswert.
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