Bis heute ist die deutsche Geschichte ein Terrain, auf dessen Boden gern auch politische Konflikte ausgetragen werden: Gibt es einen deutschen Sonderweg? Kommt Deutschland eine größere Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu als anderen Nationen? Wie konnte es zum Aufstieg Hitlers, der nationalsozialistischen Machtergreifung und dem Holocaust kommen? So lauten nur einige der Fragen, zu denen auch Heinrich August Winkler immer wieder öffentlich Stellung genommen hat. Seine glänzend geschriebenen Essays, die hier in einer Auswahl versammelt sind, haben diese "Deutungskämpfe" über fünf Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2021
Rezensent Ulrich Schlie ist enttäuscht. Dem Historiker Heinrich August Winkler geht es in seinem Buch keineswegs um die großen Deutungskämpfe in den Geschichtswissenschaften nach dem Krieg, wie etwa die Debatte um die Kriegsschuld oder um den Historikerstreit. Winkler nutze die Gelegenheit vielmehr, noch einmal alle die zu kritisieren, die seine These vom deutschen Sonderweg, der schließlich in den Nationalsozialismus führte, nicht teilen. Namentlich schießt Winkler dabei gegen Oliver Haardt und Hedwig Richter sowie Dominik Geppert, Sönke Neitzel, Cora Stephan und Thomas Weber, erklärt Schlie, dem die Aggressivität Winklers missfällt. Er liest hier offenbar weniger von Deutungskämpfen, als von Kämpfen um Deutungshoheiten innerhalb einer "selbstreferenziellen, sich befehdenden Zunft".
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.09.2021
Rezensent Hans von Trotha findet lobende Worte für den neuen Band "Deutungskämpfe" von Heinrich August Winkler. Der Historiker behandelt darin in Blöcken und thematisch sortiert einen Teil diverser Deutungskämpfe um die deutsche Geschichte, von der Fischer-Kontroverse über den Historikerstreik bis zum Clark-Effekt, wie Trotha beschreibt. Wünschenswert deutlich und pointiert formuliert findet Trotha den Band. Die Bemühungen des Autors werden für ihn deutlich und auch, wenn er Winklers Ansichten nicht immer zustimmen möchte, so hilft das Geschriebene doch ungemein bei der Meinungsbildung, schließt der Rezensent.
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