Klappentext

Am 6. September 1657 wurde im thüringischen Dorf Kannawurf Friedrich Georg Göthe getauft. Der Sohn eines Hufschmieds blieb nicht in Thüringen und wurde, anders als vier seiner Brüder, auch nicht Schmied. Friedrich Georg lernte das Schneiderhandwerk und suchte sein Glück als wandernder Geselle. Er war neugierig und tüchtig. Die neueste Mode und die besten Stoffe fand er in der Seidenstadt Lyon. Damit die Franzosen sein "e" nicht verschluckten, setzte er einen Akzent darauf und nannte sich fortan Göthé. Er kam von Lyon über Paris nach Frankfurt am Main, wo er die Tochter eines Schneidermeisters heiratete und wurde zu einem der wohlhabendsten Bürger Frankfurts. Das vererbte Vermögen reichte auch für den Enkel Johann Wolfgang, der davon ein gutes Leben als Student führen konnte, von ihm, dem Seidenschneider und Aufsteiger Göthé, aber nicht abstammen wollte. Allen Enkelstolz übertrug er auf die Textor-, die mütterliche Linie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.10.2017

Gustav Seibt staunt Bauklötze über die im Buch von Heiner Boehncke, Hans Sarkowicz und Joachim Seng beschriebenen Bestrafungsmethoden zu Goethes Jugendzeiten. Dies und viel mehr noch können ihm die Autoren anschaulich und detailreich darstellen, eine andere Welt. Ein pralles Geschichtsbuch, Biografie des alten Göthe, des Großvaters des Dichters, und des Familienvermögens, das der spätere Rat womöglich verleugnete, bekommt Seibt mit dem Band, der auch den Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Frankreich und Goethes Verhältnis zum Handwerk nachgeht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2017

Während über Goethes Großvater mütterlicherseits, den mächtigen Schultheiß Textor, einiges bekannt ist, galt der Schneider und Gastwirt Friedrich Wilhelm Göthé seinen Nachfahren als nicht standesgemäß genug, um ihn weitergehend zu würdigen, weiß Rezensent Tilman Spreckelsen. Entsprechend erfreut ist der Kritiker über dieses äußerst lesenswerte Buch, in dem die Literaturwissenschaftler Heiner Boehncke und Hans Sarkowicz gemeinsam mit dem Leiter der Bibliothek im Freien Deutschen Hochstift, Joachim Seng, der Lebensgeschichte des sozialen Aufsteigers nachspüren, der sich nach Jahren der Wanderschaft in Frankfurt niederließ und sich einen Ruf als "Karl Lagerfeld von Frankfurt" erarbeitete, so Spreckelsen. Der Rezensent staunt nicht nur, welche "entlegenen" Quellen die Autoren ausfindig machen, um die nicht besonders gut dokumentierte Biografie des Goethe-Großvaters nachzuzeichnen, sondern bewundert auch, wie kenntnisreich sie über die historischen Hintergründe, etwa zur Frankfurter Gesellschaft jener Zeit, informieren. Ein anekdoten- und überraschungsreiches Buch, das nicht zuletzt dank der zahlreichen Abbildungen unterhaltsame Lektüre verspricht, lobt er.
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