Heide Simonis

Unter Männern

Mein Leben in der Politik
Cover: Unter Männern
C.H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406509599
Gebunden, 234 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Klar und unlarmoyant erzählt Heide Simonis vom langen Weg zur und durch die Politik, schildert das politische Alltagsgeschäft und seine Auswirkungen auf ihr Privatleben, beschreibt das süß-saure Verhältnis zu den Medien, verhehlt aber auch nicht den Stolz auf das bislang Erreichte. Es ist dies ein mal humorvoll, mal nachdenklich gestimmtes Buch, das, im Unterschied zu anderen, keine Botschaft "an das Volk" sein will. Denn, so Heide Simonis: "In diesem Beruf darf man vielleicht nicht zu früh zu weise werden."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 16.09.2003

Die Frauen kommen bei Heide Simonis nicht gut weg, findet Heide Oestreich. Die "erste und einzige Ministerpräsidentin, zu der es dieses Land je gebracht habe" distanziere sich von den feministisch bewegten Frauen, die ihr unter anderem vorgeworfen hätten, eine "männliche Frau" zu sein. Das nimmt ihr die Rezensentin dann auch ein bisschen übel, indem sie befindet, dass die kinderlose Simonis sich "gut in die männlich genormte Politik eingepasst" habe. Die Vorkämpferrolle für eine frauenfreundlichere Politik habe sie jedenfalls nicht eingenommen, resümiert Oestreich. Jedenfalls sei das Buch angenehm selbstkritisch, woran es den meisten Politikerautobiografien mangele. Es gäbe leider zwar doch noch "viel politische Prosa der Art 'Die schönsten Reden der Heide Simonis'", insgesamt sei es aber ein "besonderes" Buch. Man käme dieser Frau und der (Männer-) Welt, in der sie sich bewege, auf jeden Fall ein wenig näher. Und schließlich gesteht Oestreich Heide Simonis dann auch doch noch eine Vorkämpferrolle zu: "Sie hat sich schlicht nicht entmutigen lassen". Und das gäbe ihr in der jetzigen Generation von Karrierefrauen mit "Power-Yoga" sozusagen "historisch recht".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.07.2003

Viele Fragen offen lassen nach Meinung der Rezensentin Susanne Mayer diese Ausführungen von der "Vorzeigefrau" Heide Simonis, die es in 50 Jahren Bundesrepublik politisch so weit gebracht hat wie keine andere. Mayer zitiert Simonis zustimmend mit den Worten, dass Weiblichkeit noch immer wie "ein Defekt" wirke, "der durch besondere Leistungsfähigkeit überkompensiert werden müsse". Den Lösungsansatz der Autorin, dass es mehr Politikerinnen gäbe, wenn Frauen rechtzeitig erkennen würden, dass Kinder "ein strukturelles Karrierehemmnis" sei, empfindet die Rezensentin als "Unsinn" und fordert stattdessen "ausgeschlafene Ideen". Auch im Hinblick auf innenpolitische Themen, wie Vergreisung der Gesellschaft und Bildungsnotstand, findet die Rezensentin die Reformvorschläge nicht überzeugend. Sie bedauert den fehlenden Mut zur Selbstkritik der Politikerin. Dass Simonis sich mit diesem Buch keine politischen Feinde machen möchte, will die Rezensentin an den "Ergebenheitsgesten in Richtung Gerhard" erkennen und an den "Floskeln", nach denen der Bürger nun "Eigenverantwortung" zeigen müsse. Den Sprachstil der Autorin findet die Rezensentin hingegen durchaus "erfrischend schnoddrig vorgetragen" und mit einer "Prise Optimismus" gespickt.

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