Haruki Murakami

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Roman
Cover: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
DuMont Verlag, Köln 2014
ISBN 9783832197483
Gebunden, 350 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. Der junge Tsukuru Tazaki ist Teil einer Clique von fünf Freunden, deren Mitglieder alle eine Farbe im Namen tragen. Nur Tsukuru fällt aus dem Rahmen und empfindet sich - auch im übertragenen Sinne - als farblos. Als er nach der Oberschule die gemeinsame Heimatstadt Nagoya verlässt, um in Tokio zu studieren, tut dies der Freundschaft keinen Abbruch. Zumindest nicht bis zu jenem Sommertag, an dem Tsukuru voller Vorfreude auf die Ferien nach Nagoya zurückkehrt - und herausfindet, dass seine Freunde ihn plötzlich und unerklärlicherweise schneiden. Erfolglos versucht er wieder und wieder, sie zu erreichen, bis er schließlich einen Anruf erhält: Tsukuru solle sich in Zukunft von ihnen fernhalten, lautet die Botschaft, er wisse schon, warum. Verzweifelt kehrt Tsukuru nach Tokio zurück, wo er ein halbes Jahr am Rande des Selbstmords verbringt. Viele Jahre später offenbart sich der inzwischen 36-jährige Tsukuru seiner neuen Freundin Sara, die nicht glauben kann, dass er nie versucht hat, der Geschichte auf den Grund zu gehen. Von ihr ermutigt, macht Tsukuru sich auf, um sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2014

Karl-Markus Gauß rauft sich die Haare über die Romane von Haruki Murakami, die von Handel und Kritik wie literarische Meisterwerke gehandelt werden, in den Augen des Rezensenten jedoch in der Sparte seichter Unterhaltung gehören. Die vorliegende Geschichte um eine aus rätselhaften Gründen zerbrochene Jugendfreundschaft, die den titelgebenden Tsuruku Tazaki so belastet hat, dass er gar nicht mehr richtig lieben kann, findet der Rezensent denkbar banal, wogegen auch die eingestreuten philosophischen Plattitüden und Bildungseinsprengsel nichts ausrichten können. Schlimm findet Gauß außerdem den schlichten Stil, die unbeholfene Sprache und die einfältigen Gedanken. Und wenn Murakami von dem natürlichen Verlangen eines "gesunden jungen Mannes", eine Frau "im Arm zu halten", schreibt, dann erscheinen dem Rezensenten selbst die katholischen Richtlinien zur Sexualerziehung noch abgründiger.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.02.2014

Vor jeder Nobelpreis-Entscheidung veranstalten die Anhänger Haruki Murakamis ein Schlachtengetöse wie sonst nur die Südkurve. Frank Schäfer nimmt den neuen Roman zum Anlass, sich hinter die Schwedische Akademie zu stellen, die ein solches Ansinnen bisher abgeschmettert hat. "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" sind für den Rezensenten ein sehr typischer Murakami-Roman, dem eine "Literatur des kleinsten gemeinsamen Nenners" vorwirft: Star-Wars-Sprüche gehen hier als Zen-Weisheiten durch, für die globale Anschlussfähigkeit sorgt ein interkultureller Mix aus Sushi, Liszt und finnischem Design. Die Handlung um einen melancholischen Mann, der von seiner neuen Freundin angehalten wird, das große Geheimnis um eine zerbrochene Freundschaft zu lüften, erscheint Schäfer von ausgesuchter Banalität. Den Stil des Autor nennt er "gepflegt, gebügelt, mitunter etwas betulich", allerdings nur in seinen besten Passagen. Bei der wörtlichen Rede klinge es eigentlich so, als würden seine Figuren "Spruchbänder hochhalten". Am Ende seiner Abrechnung erkennt Schäfer bei Murakami auf "gravitätischen Pipifax".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.01.2014

Als großes Werk voller "Ruhe und Spannung" würdigt Burkhard Müller den neuen Roman von Haruki Murakami. Der Roman um einen Mann, der in seiner Jugend von seinen besten Freunden verstoßen wurde, darüber in schwere Depression geriet und jetzt mit Mitte 30 die ihm rätselhaften Hintergründe des Zerberechens des Freundschaftskreis verstehen möchte, pendelt für ihn zwischen "kosmologischer Parabel" und einer zwar unkonventionellen, aber nicht unglaubwürdigen, auf Alltageserfahrungen basierenden Geschichte, in deren Zentrum ein ungeheuerliches Geheimnis steht. Die Größe des Autors sieht Müller einmal mehr in dessen Kunst, lakonisch und ruhig zu erzählen, eine hohe Spannung zu erzeugen und den Leser zugleich emotional zu berühren. Gerade diese "emotionale Kraft" des Romans - sie spricht für Müller aus Murakamis Dialogen und der Beschreibung von Dingen wie Gefäßen aus Keramik - hat ihn tief beeindruckt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2014

Andreas Platthaus ist fassungslos, dass Haruki Murakami nach seinem dreiteiligen Großwerk "1Q84" nicht mehr Zeit zum Atemholen gebraucht hat, schon liegt der neue Roman "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" in deutscher Übersetzung vor - und wieder ist er genial, verkündet der Rezensent. In der Geschichte geht um Tsukuru Tazaki, der in seiner Jugend plötzlich und scheinbar ohne Grund von seinen besten Freunden verstoßen wurde, was ihn beinahe in den Selbstmord getrieben hätte, der jetzt, inzwischen Mitte dreißig, herausfinden möchte, was damals geschah, fasst Platthaus zusammen, der eine Masche zu erkennen glaubt: Murakami umschreibt immer den Abgrund uneingelöster Erwartungen, die des Lesers und die seiner Figuren, erklärt der Rezensent. Diesmal, verrät er, geht es mit der Einsicht "Nicht alles verschwindet im Fluss der Zeit" vergleichsweise versöhnlich aus. Für Platthaus bleibt nur noch die Frage, wann Murakami endlich, endlich den verdienten Nobelpreis bekommt.
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