Hartmut Rosa

Beschleunigung und Entfremdung

Entwurf einer kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit
Cover: Beschleunigung und Entfremdung
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518585962
Taschenbuch, 154 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Robin Celikates. In seinem neuen Essay legt Hartmut Rosa dar, wie eine kritische Gesellschaftstheorie verfasst sein muss, die den Zusammenhang von Beschleunigung und Entfremdung ernst nimmt. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem guten Leben - und warum es uns heute vielfach nicht gelingt, ein solches zu führen. Immerhin sind durch die Liberalisierung moralischer Normen und sozialer Konventionen die in den westlichen Gesellschaften vorhandenen Freiräume des Einzelnen größer denn je, sich ein eigenes Konzept des guten Lebens zu wählen und zu verwirklichen. Dieser Liberalisierung steht jedoch die scheinbar unaufhaltsame Beschleunigung des sozialen Lebens im Kapitalismus gegenüber. Dieses Regime der Deadlines lässt Lebensentwürfe scheitern und führt zu einem sich immer stärker ausbreitenden Gefühl der Entfremdung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.01.2014

Wolfgang Storz weiß Hartmut Rosas Essay über den Zusammenhang von "Entfremdung und Beschleunigung" zu schätzen. Die Ausführungen des Soziologen scheinen ihm immer wieder anregend und herausfordernd. Etwa, wenn Rosa die Folgen der Beschleunigung der Arbeitswelt wie Burn-out und Depressionen analysiert oder sich mit der Frage auseinandersetzt, wie die soziale Beschleunigung zu Entfremdung führt. Storz lobt die Verständlichkeit des gedanklich dichten Essays, der auch für den Laien einen guten Einstieg in das Denken des renommierten Soziologen ermöglicht. Er weist aber auch darauf hin, dass Kenner der früheren Werke Rosas hier nicht viel Neues finden werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2013

Gelassenheit lernt der Rezensent mit diesem Buch des Jenaer Soziologen Hartmut Rosa, Gelassenheit nicht zuletzt angesichts einer im Untertitel zwar angekündigten, doch im Band nicht wirklich geleisteten Kritischen Theorie der Zeitlichkeit. So leicht fasslich hier das Problem der Beschleunigung unter sozialhistorischen Fragestellungen und unter Rückgriff auf die Frankfurter Schule laut Rezensent auch angegangen wird, so generalisierend und wenig exemplarisch belegt scheint Thomas Gross doch auch, was Rosa an Einschätzungen zum Thema bietet. Die vielen Wiederholungen und Rekapitulationen des Autors auf die eigene Habilschrift von 2005 nimmt Gross indessen als "Rastplätze" beim Lesen, Momente einer wohltuenden Entschleunigung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.09.2013

Katrin Meyer vermisst in den hier versammelten Texten des Soziologen Hartmut Rosa zum Thema Beschleunigung und Entfremdung eine zusammenhängende Theorie, die neben der vom Autor aufgezeigten Dialektik der Freiheit beziehungsweise Unfreiheit auch die Dynamik beharrlicher Normen, etwa der Ungleichheiten, berücksichtigt. Aber das kann der Autor ja noch nachholen, meint die Rezensentin großzügig und hält sich einstweilen an Rosas laut Meyer etwas unscharfen "Entwurf einer Kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit", an seine leichtverständlich gefassten Alltagsapercus, Typologisierungen von Beschleunigungsformen und die theoretischen Ein- und Ausblicke, die ihr der Band bietet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.07.2013

Die Welt wird immer schneller, das gehört seit Jahrzehnten zu den unangefochtenen zeitdiagnostischen Allgemeinplätzen, weiß Rezensent Tobias Haberkorn. Dass der in Jena lehrende Soziologe Hartmut Rosa den populären Befund nun auf einen an Karl Marx und Charles Taylor anknüpfenden Theorie-Sockel stellt und sich dabei auch nicht scheut, eine normative Position einzunehmen, erfreut den Rezensenten außerordentlich. "Entfremdung durch pathologische Beschleunigung", bringt Haberkorn Rosas These auf eine Minimalformel und staunt, wie weit dieses scheinbar simple Konzept trägt. Dass Rosa mit seiner Beschleunigungskritik auch "Zeitgeist und Verfassungsgericht" auf seiner Seite weiß, macht die Angelegenheit für Haberkorn "nicht billig, sondern noch zwingender".
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