Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2002
Auch wenn der musikalische Pluralismus keine Erfindung der Postmoderne sei, so ist er für Rezensent Claus-Steffen Mahnkopf zumindest typisch für dieses Zeitalter. Dazu gehört das Nebeneinander und der Mix vieler Stile ebenso wie die Ausbeutung des Fremden und des Alten, etwa das ferne Mittelalter. Über die Gründe dafür spekuliert der Rezensent langhaltig und benennt hierfür u.a. den Wunsch nach Entlastung von der Komplexität zeitgenössischer Musik und die Sehnsucht nach religiöser Ursprünglichkeit. Von einer "wiedererlangten Echtheit" bei mittelalterlicher Musik heute kann aber für ihn nicht die Rede sein. Um so mehr frappiert ihn die "Fülle der Phänomene". Der vorliegende Band deckt das Spektrum weitestgehend ab: vom Minnesang über gregorianische Gesänge bis zu Hildegard von Bingen werden die knallhart kalkulierten Revivals und Verarbeitungsformen durchdiskutiert - mit unterschiedlichem Niveau, meint Mahnkopf. Ausgerechnet der prominenteste Beitrag aber von Dieter Schnebel sei völlig unter Niveau, bemerkt er süffisant. Gleichwohl befassten sich verschiedene Beiträge mit der kompositorischen Auseinandersetzung mit dem Mittelalter etwa bei Strawinsky, Orff oder Gubaidulina.
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