Hans Ulrich Gumbrecht

Stimmungen lesen

Über eine verdeckte Wirklichkeit der Literatur
Cover: Stimmungen lesen
Carl Hanser Verlag, München 2011
ISBN 9783446235045
Kartoniert, 184 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Eine neue Lesart literarischer Texte, das "stimmungsorientierte Lesen" - dafür plädiert Hans Ulrich Gumbrecht. Am Minnesang und den Sonetten Shakespeares bis zu Thomas Manns "Tod in Venedig" und Janis Joplin erläutert er, wie der "Ton", die "Atmosphäre" und die "Stimmung" in den Texten angelegt sind und wirken. Dass "Stimmung" dabei nicht immer harmonische Stimmung ist, zeigt nicht nur das Beispiel des Surrealismus.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.06.2011

Als neuen, wegweisenden Ansatz mag Steffen Martus diese Essaysammlung von Hans Ulrich Gumbrecht nicht lesen. Zu polemisch, nostalgisch und subjektiv findet er die Klage über die Stagnation der heutigen Literaturwissenschaft und zu zweifelhaft die Empfehlung für ein "stimmungsorientiertes Lesen". Gumbrecht, erklärt Martus, möchte jenen "atmosphärischen Energien" nachspüren, in denen sich, wenn es gut läuft, die Stimmungen des Lesers mit denen des Zeitgeists verbinden. Bei Walther von der Vogelweide habe Gumbrecht diese Verschmelzung gespürt, bei Thomas Mann oder Janis Joplin. Doch auch wenn der Rezensent unter einigen "Handkantenschlägen" zusammenzuckt, die Gumbrecht seinem Thema zufügt, muss er doch auch staunen: über "zarte, mitfühlende, fast liebevolle" Lektüren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2011

Positiv, wenn auch nicht gerade emphatisch, bespricht Detlev Schöttker diese neueste Essaysammlung Hans Ulrich Gumbrechts, die zum Teil Artikel aus "dieser Zeitung" versammelt. Schöttker attestiert dem Philologen aus Stanford, dass er den Begriff "Stimmung" so präzise umreißt, wie es angesichts seiner Vagheit möglich ist, um so Erkenntnisse aus Werken von Heidegger bis Janis Joplin zu beziehen. Dabei positioniert sich Gumbrecht laut Schöttker gegen die in den Geisteswissenschaften stets noch grassierende und zum Akademismus geronnene Dekonstruktion, um der Literaturwissenschaft eine neue ästhetische Unmittelbarkeit zurückzugeben.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.04.2011

Angetan zeigt sich Rezensent Manfred Koch von Hans Ulrich Gumbrechts Buch "Stimmungen lesen". Er würdigt das Werk als eine "Wiederentdeckung der ästhetischen Stimmung". Den Ansatzpunkt des Literaturwissenschaftlers sieht er in einer stimmungsorientierten Lektüre von Texten, die sich auf ihre sinnliche Dimension einlässt, ohne gleich nach tieferen Bedeutungen zu fragen. Koch hält diesen Ansatz für vielversprechend. Allerdings fallen die Beispiele, die der Autor gibt, in seinen Augen etwas zu kurz aus. Nichtsdestoweniger findet er das Werk sehr erhellend. Sein Fazit: ein Buch das "Mut zum sinnlichen Lesen" macht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2011

Rezensent Mark-Georg Dehrmann, akademischer Rat aus Hannover, fertigt die Koryphäe aus Stanford ganz schön hochnäsig ab. Gumbrechts Einleitung findet er hochtrabend für eine Sammlung von Essays, und der in ihr dargelegten Diagnose einer Stagnation der Literaturwissenschaften zwischen Dekonstruktivismus und Cultural Studies mag er nicht zustimmen, weil ihm schon die Prämissen nicht passen. Literaturwissenschaften entwickeln sich nicht in grundsätzlichen Theorien und "turns" von einer Schule zur anderen, sondern erweisen sich in ihrer Ausbildungsfunktion an den Universitäten, erklärt der Rezensent. Im einzelnen mag er den Vignetten des Meisters aber das eine oder andere abgewinnen.
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