Aus kulturhistorischer Perspektive war für die Frühe Neuzeit nicht allein die Herausbildung der Konfessionen charakteristisch, sondern ebenso ein auffälliges Interesse an alternativen Sinnkonzepten wie antiken Weisheitslehren und naturmagischen Praktiken, die uns heute oft mit kirchlichen Glaubensvorstellungen unvereinbar erscheinen mögen. Eine Schlüsselrolle kam dabei dem Hermetismus zu, der Rezeptions- und Aneignungsgeschichte spätantiker religions- und naturphilosophischer Lehren und Praktiken, deren zentrale Grundlage das so genannte "Corpus Hermeticum" bildete. Den Autoren und Autorinnen dieses Bandes geht es vor allem um konkrete Erscheinungsformen des Hermetismus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.04.2002
Nach einer ausführlichen Nachhilfestunde in Sachen richtiges beziehungsweise falsches Mittelalterbild, widmet sich Rezensent Kurt Flasch dem aus einer Tagung zum Thema hervorgegangen Sammelband über den Hermetismus in der frühen Neuzeit zu. Und der gefällt dem Rezensenten außerordentlich gut. Die Beiträge legen nach Ansicht des Rezensenten dar, dass der Hermetismus keineswegs "so retardierend und obskurantistisch" war, wie man lange Zeit angenommen hatte. So erbrachten Astrologische Medizin und Alchemie beispielsweise eine konkrete Kritik der aristotelischen Schulwissenschaft oder stellten dem biblischen Fundamentalismus das alte Programm der Erkennbarkeit Gottes aus der Natur entgegen und förderten auch insofern die Forschung. Die achtzehn Beiträge des Sammelbandes sind zur Freude des Rezensenten alle von hoher Qualität. So sieht er es dem Band auch nach, dass er sich zu sehr auf das protestantische Deutschland kapriziert und das gegenreformatorische Rom weitgehend außen vor bleibt. Trotz dieser traditionellen Grenzen sei der Band innovativ und erfreulich, lobt der Rezensent abschließend: "Wer sich für die Geschichte der Vernunft interessiert, wird ihn gern lesen."
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