Harold James

Der Rückfall

Die neue Weltwirtschaftskrise
Cover: Der Rückfall
Piper Verlag, München 2003
ISBN 9783492044882
Gebunden, 362 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thorsten Schmidt. Wiederholt sich der "Schwarze Freitag" von 1929? Dieser Frage geht der Historiker Harold James hier nach. Er vergleicht unsere heutige wirtschaftliche Situation mit der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre und kommt zu dem Schluss: Gerade die jüngsten Entwicklungen in der Weltwirtschaft und die politischen Ereignisse zeigen verblüffende und beängstigende Parallelen auf...

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.01.2004

Rezensent Frank Lübberding zeigt sich recht angetan von Harold James' Buch über die neue Weltwirtschaftskrise. Wie Lübberding berichtet, betrachtet James diese als ein Lehrstück über den Zusammenhang von Politik und Ökonomie. Aus diesem Grund rekonstruiere er die Ursachen der großen Depression und vergleiche sie mit aktuellen Entwicklungen. War Liberalisierung und Deregulierung des Bankensektors zusammen mit der Freizügigkeit für Menschen und Kapital vor 1914 Grundlage für ein im historischen Vergleich beispielloses Wachstum der Weltwirtschaft, schien es unter den veränderten Bedingungen nach dem Ende des Ersten Weltkriegs unmöglich, an das goldene Zeitalter anzuknüpfen. Schließlich suchte jeder Staat seine Rettung in nationalstaatlichen Lösungen, der Protektionismus wurde das Symbol für diese Politik. Lübberding hebt hervor, dass James hier eine beunruhigende Parallele diagnostiziert. Denn auch heute sei der Weltfinanzmarkt mit seinem deregulierten und liberalisierten Bankensystem wieder die Achillesferse der Weltwirtschaft. Auch wenn Lübberding die Analysen von James nicht immer teilen mag, hält er das Buch für "wichtig". James argumentiere aus einer neoliberalen Perspektive und mache so die blinden Flecke dieser Politik sichtbar.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

Nikolaus Piper empfiehlt diesen Band den "Globalisierern" ebenso wie "ihren Gegnern" als "Pflichtlektüre". Wie man erfährt, entfaltet der in Princeton lehrende britische Autor hier eine eigene Theorie zur Weltwirtschaftskrise nach 1929, mit Konsequenzen für die gegenwärtige Lage. Im Anschluss an seine Analyse der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre bietet James, wie wir lesen, einen Erklärungsansatz an, demzufolge "die Globalisierung" immer wieder "zusammenbrechen" kann, weil, so zitiert Piper aus dem besprochenen Band, "die Menschen die psychischen und institutionellen Folgen der wirtschaftlichen Verflechtung nicht angemessen bewältigen können". Nach James' These könnten, wie Piper berichtet, daraus folgende "Ressentiments" gegen die Globalisierung die Weltwirtschaft in tiefe Krisen stürzen. "Entscheidend" findet der Rezensent bei all dem jedoch, dass James zufolge die Gründe für die Krise der dreißiger Jahre ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Bereits der Nationalstaat ist aus einem Ressentiment gegen die Globalisierung entstanden - und war in der Folge dann ganz wesentlich für die erste Katastrophe der Globalisierung verantwortlich, referiert unser Rezensent. Er findet die Gedankenführung von Harold James "kühn", die aufgezeigten Parallelen zur Gegenwart "beklemmend". Besonders hebt er schließlich auch noch James' eigens für die deutsche Ausgabe geschriebenes Vorwort hervor, und lobt es als "packenden Essay von eigenem Wert", weil der Autor hier zusätzlich noch entscheidende Ereignisse seit Erscheinen der englischen Originalausgabe - den 11. September und den Irakkrieg vor allem - im Lichte seiner These interpretiert.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.09.2003

Harold James "Der Rückfall" hat Rezensent Uwe Jean Heuser recht beeindruckt, wenn auch nicht vollends überzeugt. Wie der amerikanische Historiker die erste große Globalisierungswelle, die in der Weltwirtschaftskrise von 1929 mündete, beschreibt, findet Heuser höchst interessant. James erzähle "anschaulich, mit überraschenden Details und interpretatorischen Mut" aus jener Epoche, lobt Heuser. Doch dem Autor gehe es auch darum, den Blick für die heutigen Gefahren der Globalisierung zu schärfen. Obwohl ihm Heuser in vielen Recht gibt, wenn es um die Gefahren der Globalisierung geht, überzeugen ihn die historische Parallelen, die James überall zieht, nicht wirklich, sieht er doch wichtige Voraussetzungen, die damals zum Zusammenbruch der Weltwirtschaft führten, als heute nicht gegeben. Insbesondere im Schlusskapitel scheint sich der Autor seiner Sache selbst nicht mehr so sicher zu sein, befindet Heuser: Mal benenne er Gefahren, mal deute er sie nur an, um sie dann wieder infrage zu stellen. Und so diagnostiziert Heuser am Ende des Buches ein "großes Geraune".
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