Harald Bodenschatz (Hg.), Victoria Grau (Hg.), Christiane Post (Hg.), Max Welch Guerra (Hg.)

Städtebau im Nationalsozialismus

Angriff, Triumph, Terror im europäischen Kontext. 1933-1945
Cover: Städtebau im Nationalsozialismus
DOM Publishers, Berlin 2025
ISBN 9783869226354
Gebunden, 624 Seiten, 98,00 EUR

Klappentext

Mit 700 Abbildungen. Städtebau war ein wesentliches Instrument der nationalsozialistischen Diktatur. Er diente der Legitimation von Herrschaft und der Demonstration von Stärke, er begleitete Aufrüstung und Krieg, er vermittelte das gesellschaftspolitische Programm, er war ein Medium der Konkurrenz mit anderen Staaten, er band alte wie neue Fachleute an das Regime und grenzte systematisch Bevölkerungsgruppen aus.In diesem Buch wird der Städtebau der NS-Diktatur erstmals nicht nur in seiner außerordentlichen Dynamik, sondern auch im Kontext anderer europäischer Diktaturen jener Zeit betrachtet. Denn zwischen 1933 und 1945 wechselten mehrmals die großen Themen des Städtebaus, die wichtigsten Akteure, die Inhalte der Propaganda, die betroffenen Städte und Gebietstypen, die Programme und Praktiken, die Gewinner und Verlierer. So entsteht ein vielschichtiges Bild, das über die übliche Darstellung bekannter Repräsentationsbauten hinausgeht und auch zentrale Aspekte wie Wohnungsbau, Altstadterneuerung, Innere Kolonisation, Bauten der Aufrüstung sowie die Anlage von großräumiger Infrastruktur, Industriegebieten, Erziehungsanstalten und Lagern berücksichtigt. Dieser Band ist Teil einer wissenschaftlichen Publikationsreihe zum Themenbereich Städtebau und Diktatur - in der Sowjetunion, Italien, Portugal und Spanien - und bildet nach mehr als 25 Jahren zugleich deren Abschluss.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.08.2025

Rezensent Michael Haben empfiehlt den von Harald Bodenschatz u.a. herausgegebenen Band zum Städtebau des NS. Die acht Autoren des Bandes schließen an an Arbeiten von Hartmut Frank oder Werner Durth, weiß Haben. Geboten wird laut Rezensent ein kritischer Blick auf Staats-, Militär- und Lagerarchitektur unter Einbezug auch verdeckter Bauplanungen. Auch der Siedlungsbau in besetzen Gebieten wird mit einbezogen, lobt Haben, der erkennt, wie wandlungsfähig der NS-Städtebau je nach Liquidität war. Etwas unterbelichtet erscheint ihm im Band das Thema Städteneugründungen und unscharf die Trennung zwischen Bauten für die Rüstungsindustrie bzw. das Militär, doch das sind für Haben verzeihliche Mängel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.08.2025

Rezensent Arnold Bartetzky fragt sich, ob noch ein Buch über die NS-Architektur nötig ist. Der von Harald Bodenschatz u. a. herausgegebene Band beweist ihm schnell, dass es zum Thema noch Neues zu entdecken gibt. Die Autoren richten den Blick nämlich auf die internationalen Einflüsse auf den Städtebau im Nationalsozialismus. Welche Impulse aus dem faschistischen Italien, aus Portugal oder von den Sowjets kam, entschlüsseln die Texte für Bartetzky auf erhellende Weise. Darüber hinaus wird die organisatorische und institutionelle Seite des Bauens beleuchtet, etwa am Beispiel der Holzbaracke. Für den Rezensenten ebenfalls aufschlussreich. Dass sich der Band gut lesbar und "wie aus einem Guss" präsentiert und jede Menge Fußnoten und Quellenangaben liefert, überzeugt Bartetzky außerdem.