Die Massenmotorisierung nach 1945 führte zu tiefgreifenden Veränderungen der Städte: Straßendurchbrüche, Umgehungsstraßen, Tangenten und Stadtautobahnen sollten die Fahrt beschleunigen. Zugleich aber zerschnitten sie die Quartiere und machten den Alltag für Fußgänger beschwerlich. Zwar vollzog sich die Abkehr von den stadtplanerischen Idealen der autogerechten Stadt schon vor 40, 50 Jahren, doch erst heute wird ernsthaft über eine Neuverteilung des Stadtraums nachgedacht. Der Umbau der Infrastruktur hat auch eine kulturelle Dimension, ist Weiterarbeit an einer Ideenwelt. Dass Straßen, Tunnel und Brücken um 1960 mehr waren als bloße Mittel zur Bewältigung von Quantitäten, zeigt ein Blick auf den großen Fundus an Bildpostkarten, die bis in die Achtzigerjahre von diesen Ingenieurbauten produziert wurden. Es sind Fotos eines "way of life", der sich leichter überwinden ließe, wenn es gelänge, an seine Stelle eine neue, ähnlich suggestive Erzählung zu setzen - und das eine oder andere bauliche Erbe jener Epoche als Teil einer Kulturlandschaft zu begreifen, die es zu erhalten und in den neuen Alltag zu integrieren lohnt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.12.2023
Rezensent Peter Richter freut sich über Ulrich Brinkmanns Buch, das Ansichtskarten von Straßenbauwerken und Verkehr aus Deutschland-Ost und -West vergleichend nebeneinanderstellt und erkennen lässt, wie ähnlich sich die beiden deutschen Staaten in dieser Hinsicht sahen. Richter kann oft nur an den Automodellen oder anhand der Reklame feststellen, um welchen Staat es sich handelt. Der Autor liefert dazu sprachlich prägnant gefasste, spannende Beobachtungen und Bildanalysen, Architekturgeschichtliches und Phänomenologisches, so Richter entzückt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2023
Rezensent Michael Mönninger betrachtet die "Schlachtfelder der Nachkriegsmoderne" in Ulrich Brinkmann Band mit Postkarten aus Hamburg, Hannover, Frankfurt und anderen deutschen Städten, auf denen laut Rezensent gut zu sehen ist, wie rabiat der Städtebau vorging, um das Auto als Errungenschaft des Wirtsschaftswunders zu feiern. Nostalgie weht Mönningern nur kurz an, wenn er die vielen bunten Käfer und Kadetts in Reih und Glied stehen sieht. Dem Fanal der Autoschneisen und Riesenkreuzungen fehlen leider Jahresangaben, meint Mönninger. Überlegungen zum heutigen Autowahnsinn hat er in dem Buch auch vermisst.
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