Ulrich Brinkmann

Vorsicht auf dem Wendehammer! Die Straße als Element des Städtebaus

Ansichtspostkarten in der DDR und Bundesrepublik 1949 bis 1989
Cover: Vorsicht auf dem Wendehammer! Die Straße als Element des Städtebaus
DOM Publishers, Berlin 2023
ISBN 9783869225548
Broschiert, 288 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Die Massenmotorisierung nach 1945 führte zu tiefgreifenden Veränderungen der Städte: Straßendurchbrüche, Umgehungsstraßen, Tangenten und Stadtautobahnen sollten die Fahrt beschleunigen. Zugleich aber zerschnitten sie die Quartiere und machten den Alltag für Fußgänger beschwerlich. Zwar vollzog sich die Abkehr von den stadtplanerischen Idealen der autogerechten Stadt schon vor 40, 50 Jahren, doch erst heute wird ernsthaft über eine Neuverteilung des Stadtraums nachgedacht. Der Umbau der Infrastruktur hat auch eine kulturelle Dimension, ist Weiterarbeit an einer Ideenwelt. Dass Straßen, Tunnel und Brücken um 1960 mehr waren als bloße Mittel zur Bewältigung von Quantitäten, zeigt ein Blick auf den großen Fundus an Bildpostkarten, die bis in die Achtzigerjahre von diesen Ingenieurbauten produziert wurden. Es sind Fotos eines "way of life", der sich leichter überwinden ließe, wenn es gelänge, an seine Stelle eine neue, ähnlich suggestive Erzählung zu setzen - und das eine oder andere bauliche Erbe jener Epoche als Teil einer Kulturlandschaft zu begreifen, die es zu erhalten und in den neuen Alltag zu integrieren lohnt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.12.2023

Rezensent Peter Richter freut sich über Ulrich Brinkmanns Buch, das Ansichtskarten von Straßenbauwerken und Verkehr aus Deutschland-Ost und -West vergleichend nebeneinanderstellt und erkennen lässt, wie ähnlich sich die beiden deutschen Staaten in dieser Hinsicht sahen. Richter kann oft nur an den Automodellen oder anhand der Reklame feststellen, um welchen Staat es sich handelt. Der Autor liefert dazu sprachlich prägnant gefasste, spannende Beobachtungen und Bildanalysen, Architekturgeschichtliches und Phänomenologisches, so Richter entzückt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2023

Rezensent Michael Mönninger betrachtet die "Schlachtfelder der Nachkriegsmoderne" in Ulrich Brinkmann Band mit Postkarten aus Hamburg, Hannover, Frankfurt und anderen deutschen Städten, auf denen laut Rezensent gut zu sehen ist, wie rabiat der Städtebau vorging, um das Auto als Errungenschaft des Wirtsschaftswunders zu feiern. Nostalgie weht Mönningern nur kurz an, wenn er die vielen bunten Käfer und Kadetts in Reih und Glied stehen sieht. Dem Fanal der Autoschneisen und Riesenkreuzungen fehlen leider Jahresangaben, meint Mönninger. Überlegungen zum heutigen Autowahnsinn hat er in dem Buch auch vermisst.

Beliebte Bücher

Juli Zeh. Pony Show - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Juli Zeh: Pony Show
Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet…
Shida Bazyar. Die Lücken - Roman. Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Shida Bazyar: Die Lücken
Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…
Botho Strauß. Bleiben und Blicken. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Botho Strauß: Bleiben und Blicken
In Botho Strauß' neuem Buch geht es um die Zeit und ihr Vergehen, um den Zauber der Kunst, um das Originale und das Eigentliche. Vor allem sind es Begegnungen und Nichtbegegnungen,…
Dana Vowinckel. Anton und Alma - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Dana Vowinckel: Anton und Alma
Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…