Hansjörg Schertenleib

Von Hund zu Hund

Geschichten aus dem Koffer des Apothekers
Cover: Von Hund zu Hund
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2001
ISBN 9783462029727
Gebunden, 227 Seiten, 18,82 EUR

Klappentext

Der Erzähler in Hansjörg Schertenleibs neuem Buch, ein Mann in einem Dorf beobachtet eines Tages, wie der benachbarte Apotheker, mit dem er vor dreißig Jahren zur Schule ging, mit einem Koffer das Haus verlässt. Da der Apotheker noch nie in seinem Leben eine Reise unternommen hat, folgt ihm der Erzähler und sieht, wie er einen Zug besteigt und wegfährt - während er seinen Koffer absichtlich zurücklässt. Der Erzähler nimmt ihn an sich und öffnet ihn: Er enthält Stadtpläne, Landkarten, Reiseführer sowie zehn Geschichten, die an zehn verschiedenen Orten in Europa spielen. Diese Geschichten handeln von Liebe und Tod, von Extremsituationen, vom Kampf um Würde und Respekt und von zufälligen Begegnungen, die Lebensläufe radikal auf den Kopf stellen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2001

Das Stichwort "sentimental" fällt mehrfach in Alexandra Kedves' Besprechung. Dazu passen die "einsamen Wölfe", Männer natürlich, die der Schweizer Autor, Jahrgang 1957, durch die Weltgeschichte schickt. Ob als pubertierende Langstreckenläufer in der Erzählung "Laufen" oder als wandernder Greis in "Sammler", ihre Geschichten (insgesamt zehn) sind alle in einem Koffer gestapelt und werden eine nach der anderen unter die Leute gebracht. Die erzählerische Klammer des Erzählungsbandes findet Kedves schlicht überflüssig und wenig überzeugend. Und doch bieten Schertenleibs Erzählungen "mehr als ein schlappes Gepansche aus Hermann Hesse, Alan Sillitoe und Christoph Meckel", schreibt Brandt, nämlich stille feine Töne, "überzeugend schmerzgesättigt" vom Leben und nie zu sentimental dargeboten. Mit diesem Buch kehre Schertenleib zu seinen literarischen Anfängen in "Die Ferienlandschaft" zurück, so die Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.07.2001

Die zehn Geschichten, die der Ich-Erzähler in einem Koffer findet, könnten auch für sich stehen und bestehen, meint Martin Zingg: Reisegeschichten mit wechselnden Schauplätzen, die von großen Aufbrüchen, überraschenden Kehrtwendungen, kleinlauten und meist offenen Enden berichteten. Sie zeugen nach Zingg von der erzählerischen Geschicklichkeit und Leichtigkeit des Autors. Zugleich sind diese "weltläufigen" Koffer-Geschichten eingebunden in eine Rahmenhandlung, die sie "an die Enge einer Jugendzeit" zurückbindet und die biografisch-fiktive Erfahrung des Ich-Erzählers grundiert. Für den Rezensenten ergibt dieses erzählerische Kaleidoskop gar eine Art Muster oder Poesie der Erinnerung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.07.2001

Die zehn Geschichten, die der Ich-Erzähler in einem Koffer findet, könnten auch für sich stehen und bestehen, meint Martin Zingg: Reisegeschichten mit wechselnden Schauplätzen, die von großen Aufbrüchen, überraschenden Kehrtwendungen, kleinlauten und meist offenen Enden berichteten. Sie zeugen nach Zingg von der erzählerischen Geschicklichkeit und Leichtigkeit des Autors. Zugleich sind diese "weltläufigen" Koffer-Geschichten eingebunden in eine Rahmenhandlung, die sie "an die Enge einer Jugendzeit" zurückbindet und die biografisch-fiktive Erfahrung des Ich-Erzählers grundiert. Für den Rezensenten ergibt dieses erzählerische Kaleidoskop gar eine Art Muster oder Poesie der Erinnerung.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.05.2001

Wie immer in Schertenleibs Romanen taucht auch in diesem, berichtet Gisa Funck, eine nicht verarbeitete Kränkung auf, die den oder die Helden hinterrücks befällt. Diesmal seien allerdings die Auswirkungen nicht so drastisch wie in seinen früheren Romanen, wo laut Funck eine enttäuschende Teenagerliebe schon mal zu Kirchenterrorismus geführt haben muss. In seinem neuesten Buch geht es nach Funck um eine ungleiche Jungenfreundschaft, die sich in Briefen und Geschichten aus der Feder und Sichtweise des Gekränkten erzählt, der immerhin so eindrucksvoll schreibt und um seine Würde ringt, dass er beim ehemals verehrten Freund im nachhinein Staunen und eine Art Sehnsucht nach Freundschaft hervorruft. Ein bisschen Kleistisch angehaucht findet Funck das Ganze und manchmal etwas angestrengt und verklausuliert, was aber ihrer Meinung nach durch das erzählerische Talent des Autors wieder wettgemacht wird.
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