Hans Wollschläger

Herzgewächse oder Der Fall Adams

Fragmentarische Biografik in unzufälligen Makulaturblättern
Cover: Herzgewächse oder Der Fall Adams
Wallstein Verlag, Göttingen 2011
ISBN 9783835309586
Gebunden, 544 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Monika Wollschläger. "Das ist mein Mittelpunkt, diese Herzgewächse, und das Drumherum sind Marginale", sagte Hans Wollschläger über sein opus magnum. Er nannte es selbst ein "wahnwitzig umfangreiches, diffiziles, auch rücksichtsloses Buch". Die "Herzgewächse" sind eine fiktive Künstlerbiografie in Form tagebuchartiger Aufzeichnungen.
Der philosophische Schriftsteller Michael Adams, 1900 geboren, kehrt 1950 aus der Emigration in seine Heimatstadt Bamberg zurück. Von der Gegenwart, der frühen Adenauerzeit, bis in die Urvergangenheit menschlicher Kultur spannen sich die Einträge seines fiktiven Tagebuches. Immer stärker quälen ihn Paranoia und geistige Zerrüttung, bis er letztlich in der Psychiatrie landet.
Überblendung, schnelle Schnitte und abrupte Brechungen kennzeichnen diesen Text, in dem verschiedene Sprach- und Bewusstseinsebenen einander ergänzen, immer neue Geschichten aufeinander zu und gegeneinander laufen. Die "Herzgewächse" sind ihrer strukturellen Komposition nach Musik: Wortklang und Bedeutung gehen eine in der deutschen Literatur einmalige Synthese ein. Der Band gibt den Text der Erstausgabe von 1982 wieder, das einzige abgeschlossene Kapitel des zweiten Teils (VI) wird im Anhang abgedruckt. Hans Wollschlägers großes Romanwerk blieb unvollendet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2011

Rezensent Dietmar Dath ist hocherfreut über die Neuedition von Hans Wollschlägers "größtem Buch". Sein Protagonist ist der Schriftsteller Michael Adams, der das Bamberg der Nachkriegszeit erfolglos zu seiner Heimat zu machen versucht, erzählt der Rezensent. Adams' Aufzeichnungen bilden dabei den Romantext, so Dath. Der Kritiker betrachtet sie als "Notation fortschreitenden Selbstverlusts" und als Zeugnis vergeblichen Bemühens um eine Rückkehr in die von Hitler hinterlassenen Ruinen der Zivilisation: Denn Adams scheitere im Alltag, an der Liebe, und nicht zuletzt an der eigenen Sprache. Ein düsteres Buch habe Wollschläger hier verfasst, das in seiner "Traumähnlichkeit" häufig an romantische Schauerliteratur erinnere, ohne jedoch im mindesten "malerisch" zu sein. Vielmehr handle das Werk von der "Unmöglichkeit jeglicher Flucht ins Innen", wie Dath meint.
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