Hans Pleschinski

Leichtes Licht

Roman
Cover: Leichtes Licht
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406529283
Gebunden, 159 Seiten, 14,90 EUR

Klappentext

Christine Perlacher, 42, Sozialarbeiterin in Hamburg, fühlt sich nicht nur von ihrem Single-Dasein überfordert, wobei in ihrem Liebesleben eher zuviel als zuwenig passiert. Aber irgendwo zwischen Zuviel und Zuwenig ist das richtige Leben verlorengegangen. Christine Perlacher ist zugleich überreizt und erschöpft und sehnt sich so unrettbar nach einer ganz bestimmten Bucht auf Teneriffa, dass sie eine Woche Urlaub auf dieser schönen Insel gebucht hat. Den Schal zweifach um den Hals geschlungen, begibt sie sich an einem frühen Februarmorgen auf den Hamburger Flughafen. In seinem neuen Roman "Leichtes Licht", der Christine Perlachers Abreise aus Hamburg und ihre Ankunft auf Teneriffa erzählt, begibt sich Hans Pleschinski auf Augenhöhe mit einer an ihrer Ratlosigkeit und ihrem Informationsmüll erstickenden Gegenwart, wie sie sich im Erleben seiner sympathisch fluchtbedürftigen Heldin darstellt, die sich nach dem Nichts sehnt und nach der Liebe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2005

Richtig sympathisieren kann Maike Albath nicht mit der Protagonistin aus Hans Pleschinskis neuem Roman. Diese ist eine Sozialarbeiterin in den Vierzigern mit Hang zur Hysterie, die in ihrem Urlaub auf Teneriffa viel sinniert und wenig tut. "Sprezzatura" fällt da der Rezensetin nur ein, doch jene weltläufige Leichtigkeit lässt sich bei der Heldin nicht ausmachen. Denn bei allem "typisch bundesrepublikanischen Hedonismus", den die Heldin zur Schau trage, glaubt Albath unter der Oberfläche des Vergnügungswahns die Angst vor der Vergänglichkeit auszumachen: "das hässliche Alter, unappetitliche Hinfälligkeit und Tod". Albath gefällt die "zarte Anteilnahme und diskrete Ironie" mit der Pleschinski seine Heldin zeichnet und hält es für eine große Stärke des Romans, "die große Verdrängungsleistung unserer Zeit" zu spiegeln.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.07.2005

Enttäuscht zeigt sich Rezensent Dirk Fuhrig, denn die Protagonistin des Romans hätte sich eigentlich wunderbar zur "überraschenden Heldin der deutschen Gegenwartsliteratur" geeignet. Der Autor stelle aus der Perspektive einer Angestellten in mittleren Jahren das mäßige Leben und Denken dar, im mäßigen Ausnahmezustand des jährlichen immergleichen Kanaren-Urlaubs. Leider, so Fuhrig, sei nur ein "Abziehbild" herausgekommen und die in allen Belangen "sympathisch durchschnittliche" Heldin habe auf Buch und Prosa abgefärbt. Ihre Gedanken zum Leben im Allgemeinen, zu Hartz IV und Sex im mittleren Alter, und im Besonderen angesichts des gebräunten Kanarenjünglings seien von einer "Harmlosigkeit", die den Rezensenten - aus welchen Gründen auch immer - an eine "Art Sabine Christiansen vom Sozialamt" denken lässt. Der Autor hätte sein Fräulein vom Sozialamt mit ein wenig mehr Distanz betrachten müssen und ein wenig weniger Ernsthaftigkeit, so Fuhrig, für einen wirklich "leichten" Sommerroman über den mittleren Mittelstand. Zudem gebe sich die Sprache stets "originell" und sei doch nur "prätentiös". Die vielen "vermeintlich" flapsig-jugendlichen Floskeln der Heldin wirkten einfach nur "ermüdend", bemängelt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2005

Um ein "tagebuchartiges Selbstgespräch", handlungsarm und ohne Spannungsbogen, handelt es sich bei Hans Pleschinskis Roman, stellt Gisa Funck fest. Doch ist der Tenor ihrer Besprechung keineswegs unfreundlich - vielmehr glaubt sie die Ereignislosigkeit vom Autor intendiert und von seiner Heldin Christine Perlacher geradezu ersehnt, die während ihres Urlaubs im "Leichten Licht" Teneriffas das "reine Genusserlebnis" des Stillstands sucht. Der Rezensentin ist die Protagonistin, eine in Hamburg lebende Sozialhelferin und Single-Frau des Typs "ironisch geschulte Bildungsbürgerin" nicht unsympathisch, auch wenn sie ihr nicht unbedingt begegnen möchte. Denn Christine Perlacher verwende einen Großteil ihrer Gedanken darauf, alles und jeden in ihrer Umgebung auf höchst respektlose Weise abzuqualifizieren, schreibt Funck. Aber: Ihr Verzicht auf kritische Einmischung, ihr Bewusstsein um die Abwesenheit von Sinn im Leben und ihr daraus abgeleiteter Glaube an das "kleine Glück am Strand" würden stets einen leichten Zweifel an dieser "Apologie jener neuen Bescheidenheit" transportieren, in der die Rezensentin das Kernthema des Buches ausmacht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.04.2005

Nein, diese Christine Perlacher, die nimmt Andreas Merkel dem Autor Hans Pleschinski keine Sekunde lang ab. Das Problem: Sie ist der Hauptfigur dieser "Anti-Novelle", in der wenig passiert, außer dass Frau Perlacher sich ziemlich bürgerliche Gedanken macht, über die Welt und den Lauf der Dinge. In Wahrheit ist sie im Inneren, so Merkel, ein als Frau verkleideter "Studienrat" und als solchen gewinnt er sie auf ihrem Ausflug nach Teneriffa irgendwann sogar recht gern. Man wird dieser Rezension nicht den Verdacht ablesen können, dass es sich hier um große Literatur handelt. Irgendwie hat die Erzählung Andreas Merkel dann aber doch gefallen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.04.2005

Hans Pleschinskis "reizvolles und überaus komisches Buch" hat Ijoma Mangold milde gestimmt, oder sollte man sagen: demütig? Jedenfalls ist seine Besprechung eine kleine Abhandlung über die Demut als verzeihenden Blick auf die hässliche Masse der Mitmenschen, genauer: der Deutschen. Der deutschen Touristen. Auf die, die immer klatschen nach der Landung. Pleschinskis Heldin fliegt in ihrer Mitte nach Teneriffa, obwohl sie ihnen eigentlich entkommen will. Sie sucht nach ästhetischer Feinheit und findet sie überraschenderweise, indem sie ihren Blick auf die grob gehauene und krisenbewegte teutonische Menschheit ändert, mit der sie das Flugzeug teilt. Dieser Blick, und vor allem Pleschinskis leichte Sprache, die ihn in Literatur übersetzt, haben Mangold begeistert: "Wie plötzlich das Deutschland, das mit ihr im Flieger sitzt, in seiner ganzen antiextremistischen Menschlichkeit und Gutmütigkeit aufleuchtet - das ist, auf sehr komische Weise, nichts weniger als eine Einladung zur Versöhnung mit der postheroischen Bundesrepublik."
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